Montag, 12. Oktober 2026
Reisekrimi Teil 5 – noch mehr Sightseeing in Wien
Nach dem Frühstück machten wir uns auf zum zweiten Must-Do. Der Zentralfriedhof. Nicht nur wegen des großartigen Songs von Wolfgang Ambros oder der zahlreichen Prominenten. Wir sind Friedhofstourist*innen. Es machte gleich zu Anfang Eindruck auf uns, dass es entlang des Friedhofs drei Tram-Haltestellen gibt. Gewundert habe ich mich über das Outfit des Stadtteil Simmering – hatte ich mir irgendwie idyllischer vorgestellt, Friedhöfe liegen ja häufig in ruhigen, bürgerlichen Wohngebieten, Simmering wirkte auf mich eher wie ein angeranztes Industriegebiet. Aber was weiß ich schon.
Wir erstanden am Haupteingang einen Lageplan des Friedhofs. Man hätte sogar E-Bikes mieten können und zum ersten Mal in meinem gar nicht mal so kurzen Leben sah ich Autos über einen Friedhof fahren. Befremdlich, aber nachvollziehbar. Das ist kein Friedhof, das ist eine eigene Großstadt. 330 000 Grabstellen – soviel wie Bielefeld Einwohner*innen hat und mittlerweile drei Millionen Verstorbene.
Mozart, Beethoven, Schubert, Johann Strauss, Johannes Brahms – die waren dicht beieinander gebettet.
Wir suchten und fanden für meine Schwester, die unsterblicher Fan ist, das Grab von Udo Jürgens, das aus meiner Sicht beinahe einer Müllhalde glich, weil so viele unbedingt etwas ablegen müssen und dadurh ein unübersichtliches, ästhetisch wenig ansprechendes Durcheinander entsteht. Überhaupt war die Nachbarschaft des berühmten Musikers, den ich irgendwo zwischen Chanson und Schlager verorten würde wild kombiniert: Hedi Lamar, Alfred Adler, Christiane Hörbiger..
Es gab auch sonst viele spannende Grabstellen mir nicht bekannter Personen. Einen zierte die Unterschrift des Verstorbenen mit dem Kommentar: „Heute war gut.“
Spaßenshalber suchten wir auch nach Falco, allerdings ohne Erfolg, das war uns aber egal.
Zum Abschluss besuchten wir den alten jüdischen Friedhof. Hier gab es großartige Grabmale, besonders gut erhalten. Viel würdiger als die gestapelten Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Prag. Das Schlimmste habe ich vor einigen Jahren in Südholland entdeckt: ein winziger jüdischer Friedhof, auf dem niemand mehr begraben liegt, weil die Gemeinde sich für ihre Toten einen würdigeren Ort gesucht hat. In Wien hat jüdisches Leben Platz – auch auf dem Friedhof.

Nach ein paar Stunden waren wir dann doch ein wenig erschöpft und und fuhren Richtung Altstadt, um nach einem geeigneten Pausenraum Ausschau zu halten.
Eigentlich sollte es das Café Central sein, aber das war aktuell geschlossen. Wir waren müde und hungrig und landeten außerplanmäßg in einem Tearoom in unmittelbarer Nähe zum Stefansdom. Was für ein Glücksfall…Ich aß den besten Scone meines Lebens – und ich habe in England mehrfach Scones bestellt – der Tee war gut und reichlich, die Atmosphäre entspannt und gepflegt, der Umgang freundlich. Ein perfekter Platz zum Kraft Schöpfen.
Den Stefans-Dom betrachteten wir nur kurz von innen, der in Linz war spannender. Wir hätten ja Eintritt gezahlt, aber wir fanden nicht, dass es sich lohnt.
Wir ließen uns treiben in den Straßen und Gassen und entdeckten einen wunderschönen Buchladen, in dem ich mich Stunden hätte aufhalten können: so viel Ungewöhnliches und Spannendes in pittoreskem, gemütlichem Ambiente, geheimnisvoll anmutend, mit einer lockeren Buchhändlerin, mit der wir ein langes interessantes Gespräch über diverse Literaturverfilmungen führten.
Ich hatte noch Gruß-Karten zu schreiben und nutzte dafür eine öffentliche Sitzecke, dort gab es sogar Tische, das liebe ich wirklich an Österreich. Ein Briefkasten war schnell gegoogelt und gefunden und dann kamen wir zu Platz vier auf der Must-Do-Liste:
Café Hawelka.
Mein Mann beging den Faux-pax eine koffeinfreie Wieer Melange zu bestellen – diese Bestellung wurd brüsk zurückgewiesen. Darum bestellte er Holunderwasser, davon bekam er leider Magendrücken. Ich bestellte Wiener Melange trotz Magengeschwür, und stellte fest, zumidest im Zustand eines empfindlichen Magens und extremer Anämie wirkt dieser Mokka härter als Koks. Ich habe nur die halbe Tasse getrunken – und die halbe Nacht nicht geschlafen. Die Atmosphäre im Café war legendär. Wir hätten auch gern von den Buchteln gekostet, aber die gab es erst ab 20.00 Uhr.

Am Abend wollte der Gatte eigentlich essen gehen, aber sein Magen rebellierte solidarisch mit meinem. So aßen wir magenfreundlich im Hotel und unternahmen später einen Spaziergang im Dunkeln. Etwas unheimlich für uns ängstliche Landeier, an manchen Stellen waren die Straßen sehr unbelebt, da wo Leben war, war es ganz nett.
Wir nahmen ein stilles Absacker-Wasser in einer traditionellen Kneipe in der Straße in der auch das Hotel lag. Dann machten wir uns auf ins Bett.

Fortsetzung folgt

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Freitag, 2. Oktober 2026
Reisekrimi Teil 4 – Ankommen in Wien
Wenn man von Nordwesten in die österreichische Hauptstadt einrollt, sieht man sofort, wo man ist: bunte Farbfelder unter Vermeidung rechter Winkel im Stile Friedensreich Hundertwassers – das Fernwärmewerk Spittelau.
Wir waren schnell in dem Stadtteil, in dem der Gatte das Appartement gebucht hatte. Ursprünglich war ja das Einrollen mit dem Rad längs der Donau geplant, darum logierten wir im Bezirk Brigittenau (nächste U-Bahn-Station Friedensbrücke), in einem unaufgeregten Hotel mit sympathisch verlottertem Hinterhof, der früher einmal als Biergarten gedient haben muss. Nette Menschen an der Rezeption, skurriles Appartment mit abenteuerlichem Stilmix, nicht perfekt, aber durchaus komfortabel und mit guter öffentlicher Verkehrsanbindung.
Wir packten aus, gönnten uns eine Teezeit mit Gebäck, planten das weitere Vorgehen und machten uns als erstes auf den Weg zum Hundertwasserhaus. Es wäre spannend gewesen auch die Innenansichten zu bewundern, aber es wäre ja eine Zumutung für die Bewohnenden, wenn ihnen ständig Touristen in der Wohnung herumständen. Ich fand es auch von außen eindrucksvoll und die im Stile Hundertwassers gestaltete Mini-Shoppingmall war ebenfalls ganz süß.
Dann steuerten wir das nächste von mir geplante Ziel an: Den Prater, inklusive Riesenrad. Ja, ich weiß, das machen alle, wie unkreativ, aber ich bitte Sie, zum ersten Mal in Wien und den Prater ignorieren? Das ist wie Paris ohne Eiffelturm, London ohne Towerbrigde, Berlin ohne Brandenburger Tor.
Außerdem ist der kirmesartige „Wurstlprater“ ja nur ein Bruchteil des gigantischen Parks mit Sportstätten, Skateranlagen, Tischtennisplatten, weitläufigen Wiesen, uralten Bäumen und viel echter Natur und nicht so zurechtgestutzt wie in Schönbrunn (das wir uns dann tatsächlich geschenkt haben, das kenne ich ja schon alles aus den Schissi-Filmen). Das Publikum war in jeder Hinsicht bunt, ein wirklich funktionierendes Naherholungsgebiet mit tiefenentspannter Atmosphäre, weil einfach genug Platz da ist und man sich nicht gegenseitig die Ohren abtritt.
Der Wurstlprater gefiel mir deutlich besser als ich erwartet hatte. Trotz moderner Fahrgeschäfte hat er noch viel von einem altmodischen Rummelplatz, natürlich habe ich die „Wilde Maus“ bewundert, die ich aus dem genialen Film von Josef Hader kenne, aber da waren noch mehr Buden, die zwar geschlossen waren, den Betrieb aber wegen ihrer historischen Kulisse optisch aufwerteten. Es roch nicht so aufdringlich nach grenzwertig angebranntem Karamell und zu heißem Frittenfett, es war nicht so laut und nicht so voll, reichlich Platz auf den Straßen zwischen den Geschäften. Nun gut, viel los schien eh nicht zu sein, denn beim Riesenrad mussten wir nicht Schlange stehen.
Ich wäre ja gern zu zweit in der Gondel gewesen – filmreif – aber das wäre natürlich nicht wirtschaftlich und so genossen wir italienische Mitreisende und die beeindruckende Aussicht. Ich erdreistete mich, die Zither-Musik aus dem Dritten Mann abzuspielen, leise aber unüberhörbar, das musste ich mir gönnen, als wir oben waren.
Und wider Erwarten hatte dann auch der Gatte ein großes Vergnügen am Rummelplatz, fuhr er doch mit dem Starflyer-Kettenkarussell, dem Praterturm, Österreichs höchstem Fahrgeschäft. 2010 war es noch das höchste Kettenkarussell der Welt. Der Mann hatte Spaß und ich schöne Fotos. (Und ich konnte das zweite Must-Do auf meiner Liste abhaken.
Wir machten uns danach auf den Heimweg ins Hotel zu Abendessen und Nachtruhe.

Fortsetzung folgt.

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Samstag, 26. September 2026
Reisekrimi - Teil 3 - in der Wachau
Wir kamen an in Spitz - eine Unterkunft im Mehrparteienhaus - Teil eines alten Hofes - bei einem Marillenbauern, der Saft und Marmelade herstellte und selbst Marillenbrand machte.
Unsere Wohnung, die "Quitte" war zwar die teuerste Unterkunft in diesem Urlaub aber dafür auch absolut perfekt. Viel Bewegungsfreiheit, ausgesprochen stylisch in quittengelb, Erdtönen, anthrazit und weiß, mistneu und modern, gemütlich, bequem und absolut gut ausgestattet. Hier konnte ich wunderbar zu Kräften kommen! Die Aussicht war wunderschön - auf die Donau, die Weinberge und die örtliche Burgruine, wohltemperiert, Schalldichte Fenster und elektronische rauf und runterfahrbare Sonnen- und Mückenschutz-Rollos. Wir starteten mit einer tiefenentspannten Teemahlzeit, packten unsere Sachen aus und unternahmen einen Spaziergang durchs Dorf. Es zog sich doch deutlich weiter den Berg hinauf und an ihm entlang, als wir erwartet hatten. Hübsche Häuser, malerische Gärten mit Streuobst, frischem Gras und reichblühenden Blumenbeeten, Kopfsteinpflaster, Ruhe. Die Weinberge machten uns neugierig und trotz massiver Anämie gingen wir doch immer noch einmal um die Kurve und mit vielen Ruhepausen kamen wir deutlich höher als geplant, um dann den atemberaubenden Blick auf das Donautal zu genießen. Die Abendsonne wärmte uns - unten kam sie nicht mehr an, dafür stand sie schon zu tief.
Die wenigen Menschen, die einem in den Straßen begegneten, grüßten freundlich, aber ich ahne, was der Schizophrenist mit der Hinterfotzigkeit der Österreicher meint. Es ist die gleiche Hinterfotzigkeit, die man in zahlreichen ostwestfälischen Dörfern findet, in den idyllischen Küstenorten der ach so freundlichen Niederlande, also überall, wo im ländlichen Raum in ansprechender Landschaft Menschen leben, denen es in der Stadt nicht nur zu laut und wimmelig ist, sondern auch zu kompliziert. Wir hier wissen wie es geht und wir machen es richtig. Wer es nicht so macht wie wir, ist verkehrt und verdient unsere Verachtung. Überall war es hübsch, akkurat und aufgeräumt. Keine Rumpelecken, keine armseligen Hütten, keine Punkgärten. Toller Urlaubsort, aber für mich kein Platz zum Leben. Muss ich aber auch nicht.

Der Vermieter war superfreundlich, unkompliziert, hilfsbereit, entspannt, kommunikativ, unaufdringlich - genauso wie man es sich wünscht. Er zeigte uns seine hübsche Destille im Prozess, Kosten war erlaubt, ein fröhlicher, menschenfreundlicher, fleißiger Mann, der Zufriedenheit und Ausgeglichenheit ausstrahlte. Ich durfte in Ruhe in seinem Vorgarten sitzen, Tee trinken und den Falter lesen. Hat mir übrigens auch gut gefallen, der Falter. Fand ich überzeugend. Ich lese gelegentlich auch die ZEIT, das ist aber immer so ein Projekt, weil man unendlich Platz für das Riesenformat braucht - mindestens einen leer geräumten Esstisch - und jeder Artikel so endlos lang und ausführlich ist, dass man schnell ermüdet und sich immer wie eine Banausin vorkomt, wenn man sie dann nicht zu Ende liest.
Der Falter ist handlicher, kurzweiliger geschrieben, weniger langatmig und trotzdem kritisch, progressiv, politisch relevant und außerordentlich interesant. Wird beim nächsten Österreich-Urlaub gern wieder genommen.

Nun aber wieder zum Urlaubsort. Am Morgen des zweiten Tages hatten wir einen kleinen Spaziergang in die andere Richtung des Dorfes geplant, das sich nun doch als Kleinstadt erwies. Es gibt alles in Spitz, was man braucht und darüber hinaus noch mehr (Bahnhof, Tankstelle, Fähranleger, Restaurants, Kneipen, Apotheke, Friseur, Läden mit Bioprodukten, Kunst, Tanzlokal, Bäckereien, Vollsortimenter, Post, Bank, Garten- und Baumarkt...) und dann war der Aufstieg zur Burg ausgeschildert. Wir versuchen es einmal, mal sehen, wie weit wir kommen. Bis zum Fuß der Burg waren es etwa 100 Meter, vom Fuß bis zur Turmspitze etwa 50, würde ich schätzen. Nach etwa zwei Stunden hatten wir den höchsten Punkt erklommen (unter normalen Umständen hätte das vielleicht eine halbe Stunde gedauert.) Es gab viel zu sehen, überall Bänke zum Ausruhen, phantastische Perspektiven und viel Raum für Phantasie. Zu der Burgruine gab es auch eine Spuklegende vom Geist einer verstorbenen Ehefrau, die sich am Witwer rächte, weil dieser bis zur nächsten Hochzeit das Trauerjahr nicht einhielt.
Der Abstieg war in 15 Minuten erledigt.

Nach einem kurzen Mittagssnack ging es mit dem Rad an den Donaustrand. Feiner Sand, sommerliche Sonne, sanfte Brise genug Platz obwohl doch einige das schöne Wetter nutzten: Familien mit Kindern, junge Erwachsene, alte Menschen. So konnten wir bei entspannter Atmospäre im leicht schmuddeligen Sand herumlumpen, lesen, träumen, aufs Wasser schauen. Zwischen den Bunen war das Wasser meistenteils flach, der Grund weich und ein klein wenig modrig und es schwammen Algenblüten herum, die etwas an menschliche Hinterlassenschaften erinnerten. An ein paar Stellen war das Schwimmen aber möglich und das Wasser hatte wieder gefühlt 22 Grad oder mehr. Mein Mann sprach einen Einheimischen an, der mit einem skurrilen Boot unterwegs war, wie gefährlich es sei, außerhalb der Bunen zu schwimmen. Er erklärte, gefährlich sei das nicht, er habe als junger Mann einmal schwimmend den Fluss überquert, habe danach aber sehr weit laufen müssen. Für mich als anämisch Schwächelnde kam das Schwimmen in der Strömung definitiv nicht infrage, mein Mann hatte zum Glück auch keine Lust. Der Wachauer war aber sehr nett und kommunikativ, wieder eine gute Erfahrung.
Als die letzten Sonnenstrahlen aus dem Tal verschwanden, machten wir uns ziemlich dreckig auf den Heimweg und nach einer gründlichen Dusche ans Abendessen.

Der folgende Tag startete nach einem sehr ruhigen Frühstück mit einem Ausflug zum Stift Melk. Der Gatte hatte mittelalterliche Stätten erwartet, ein Refektorium mit alten Fresken, Mönchszellen oder Schlafsäle, ein Scriptorium und so weiter. Er wurde enttäuscht, denn das Klosterleben ist noch gegenwärtig. Für mich waren einige moderne theologisch inspirierte Installationen interessant; die antiken Gemälde, den Flügelaltar, pompöse Monstranzen und allgegenwärtige, prunkvolle Barock-Architektur nahmen wir anerkennend mit, ebenso wie die wechselnden schönen Aussichten.
Erfreulich anzusehen war eine Ausstellung moderner Werke unter dem gemeinsamen Thema Natur, viel Überraschendes, Beeindruckendes und Ästhetisches und was uns ebenso außerordentlich gefiel, war der riesige Garten, der seinen Anfang nahm in einer klassischen Barockanlage, sich dann aber hinzog mit kleinen Waldstücken, Naturwiesen und vielen Interessanten Objekten zum Verweilen und Bestaunen. Überall - wie üblich in Östrreich - gab es Sitz- oder Liegegelegenheiten zum Aussruhen und genießen.
Zur Teezeit fanden wir uns in einem Café in der Melker Altstadt ein und genossen Topfenstrudel und Marillenknödel. Ich musste etwas vorsichtig sein und die zuckrigen, buttrigen Brösel auf dem Knödel entfernen, aber es war dennoch ein Genuss, den ich nicht bereuen musste.
Im Café ließen sich vortrefflich Leute beobachten, gegenüber ein schönes Drei-Generationen-Bild, im Café selbst am Nachbartisch allerdings auch ein lautstarker Telekommunikations-Exhibitionist, aber es kann ja auch nicht immer alles idyllisch sein.

Nach dem Ausflug war ich ziemlich erschöpft und setzte mich mit einer Kanne Kräutertee und dem Falter in den Garten, während mein Gatte noch eine längere Radtour unternahm.

Der Gatte radelte einen Teil der Wachau ab, den wir unter normalen Umständen gemeinsam erradelt hätten. Er setzte zwei Mal mit der Rollfähre über, kam bis nach Dürnstein und besuchte auf dem Rückweg noch die pittoreske Kirche und den Friedhof von Weißenkirchen.

Am kommenden Morgen mussten wir unsere Sachen packen und die komfortable Quitte verlassen. Dem Marillenbauern durften wir aber noch beim Brennen des Marillenbrandes zuschauen, die wunderschöne, blanke Destille bewundern und vorsichtig von dem hochprozentigen Destilat kosten. Ich nicht, aber der Gatte. Unser Vermieter war ein freundlicher Mensch, der uns in keiner Weise seine Produkte aufschwatzte und der uns einlud, gern wieder zu kommen. Das Auto durften wir noch bis zur endgültigen Abreise stehen lassen.
Wir setzten über mit der Rollfähre - dem historischen Boot, das zuvor viele Jahre in Aschach im Einsatz gewesen war und wegen der Umgestaltung des Flusses dort nicht mehr gebraucht wurde. Wir waren fasziniert von dem nachhaltigen Betrieb ohne Motor, der allein durch geschicktes Manövrieren mit der Strömung und einem gespannten Stahlseil funktioniert. Leise und ohne Schadstoff-Ausstoß. Sogar ein paar Autos können damit übersetzen. In unserem Fall waren es viele Radfahrer*innen. Auf der anderen Seite spazierten wir zum nächsten Dorf - Arnsdorf - mit einer entzückenden Pfarrkirche und einer pittoresken alten Gasse. Dann setzten wir ein zweites Mal über und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel. Eine letzte Pause in der Wachau legten wir in Dürnstein ein, an einem idyllischen Picknichplatz unterhalb der Stadt, unter sehr alten Bäumen, direkt an der Flussschleife.

Fortsetzung folgt.

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Montag, 7. September 2026
Reisekrimi - Teil 2 - von Linz in die Wachau
In diesem Urlaub erschufen wir einen Neologismus: Linzen. Es beschreibt entspanntes Flanieren und Abhängen in der wunderschönen Stadt Linz.
Unser Appartement lag in einem Hotel mitten in der Fußgängerzone. Nicht so schön, aber gut ausgestattet. Was für ein Erlebnis, ausgehfein durch die Straßen zu schlendern - auch wenn ich wegen der ausgeprägten Anämie alle paar hundert Meter eine Sitzpause brauchte - einfach kaufen, was man braucht, ein Stilles Wasser im Straßencafé trinken und dabei vorbeiziehende Menschen beobachten.
Wir schafften es sogar in den sehr hübschen neuen Dom, dem größten Europas, voll mit alter und moderner Kunst, einem kühlen Ort in der Krypta und einem Sprühbrunnen auf dem Vorplatz. In Linz fiel mir dieselbe öffentlich Fürsorge auf wie in Passau: Abkühlung, Trinkwasser und reichlich bequeme, kostenlose Sitzgelegenheiten (auch zum Hinlegen geeignet) an hübschen Orten. Daran sollten sich ostwestfälische Städte ein Beispiel nehmen, mit ihrer ewigen Angst, dass die schönen Bänke dann von unansehnlichen Obdachlosen belegt werden. Mag sein, dass es in Österreich einen großen Anteil spießbürgerlicher Rassisten gibt (genauso wie in Deutschland) und die Wahlergebnisse legen dies nahe, aber im unmittelbaren Kontakt und ganz pragmatisch sind sie doch deutlich entspannter und menschenfreundlicher. Wie habe ich es geliebt, wenn das Pflegepersonal meinen Blutdruck gemessen hat und ein lässig "Paaasst" murmelte. Ich mag die österreichische Mundart, die im Gegensatz zur bayrischen irgendwie fein und gleichzeitig lässig klingt, während sich beim Bayrischen der Eindruck einschleicht, die Sprechenden seien parallel mit Aufstoßen, Husten oder Erbrechen beschäftigt. Man sehe mir das nach. Ich mag auch viele Bayern und finde die auch oft lässiger, zugänglicher, freundlicher und pragmatischer als uns verklemmte Saupreußen mit unserer verbreitet depressiven Struktur.

Nun aber zurück zur Stadt Linz. Mein Mann gab alles, damit ich trotz exorbitanter Anämie eine gute Zeit hatte und dafür würde ich ihn direkt noch einmal heiraten. Er hatte, während ich im Krankenhaus lag, die Stadt gründlich mit dem Fahrrad erkundet, kannte alle Einkaufsmöglichkeiten inklusive Bioladen und Vergnügungsoptionen für durch Kraftlosigkeit motorisch Eingeschränkte.
Was für eine hübsche Stadt! Pittoreske Architektur, internationales Publikum, alle möglichen Arten von Subkultur, spannende Kunstprojekte, angenehme Plätze zum Verweilen, vielfältige Gastronomie, süße Läden, aber auch alles, was man wirklich braucht in erreichbarer Nähe (inklusive Hofer), eine verkehrsberuhigte Innenstadt in der man eine bunte Mischung aus alten, jungen, armen, reichen, "normalen", "alternativen", fröhlichen und gebrochenen Menschen antrifft. Dabei ist es nicht voll, überall ist genug Platz, die Wege sind nicht weit, es gibt keine finsteren Orte (zumindest nicht in der Innenstadt), ein überaus beruhigendes und angenehmes Gewimmel und Gesumm, das ich gern beobachtet und belauscht habe.

Die totale Entschleunigung hatten wir dann am folgenden Tag. Eigentlich hätten wir das Rad genommen, aber ich war noch zu schwach. Zum Glück konnte man hier auch direkt mit dem Auto vorfahren und erschwinglich parken. Ein traumhafter Donaustrand mit feinem Sand und hübschem Kies, uralten Bäumen, einer Schaukel und einem Schwungseil von dem aus Kinder und Jugendliche sich in den Fluss plumpsen ließen. Im warmen Wasser bei gefühlt 22 Grad ließ es sich trotz leichter Strömung vortrefflich schwimmen (wobei ich noch etwas vorsichtig sein musste, um meine Kräfte zu schonen.) Der einzige Nachteil, man war danach ein bisschen schmuddelig, aber so etwas hat uns noch nie gestört.
Hier konnte man herumliegen, lesen, Menschen beobachten - ein kostenloses Naturbad mitten in der Stadt, das nicht ansatzweise überfüllt war. Was für ein Traum!
Am späten Nachmittag kam Regen auf - der auch hier dringend benötigt wurde. Wir verbrachten den Rest des Tages im Appartement mit Tee und Schonkost, Büchern und Fernsehen, während draußen die Waschanlage lief.

Am nächsten Morgen strahlte die Sonne aus allen Löchern. Ein paar Einkäufe und ein wehmütiger Abschied gepaart mit spannender Vorfreude auf unsere nächste Station.

Ursprünglich geplant waren ein paar Fahrrad-Etappen in der Wachau, stattdessen buchte mein Mann drei Übernachtungen in einem Appartement in Spitz.

Unterwegs kamen wir an Melk vorbei. Als alte Fans von Umberto Ecos "Der Name der Rose" waren wir selbstverständlich Neugierig auf den Heimatort des fiktiven Protagonisten Adson von Melk. Wir parkten am Fuß der Altstadt und schlichen in kleinen Etappen hoch. So ein hübsches Örtchen und wieder: ruhig, nette Läden und Cafés, nicht zu voll, massenhaft Sitzgelegenheiten und das bei strahlendem Sonnenschein und mindestens 25 Grad. Nach einer Pause schafften wir auch den Aufstieg zum Kloster, informierten uns über Öffnungszeiten und entschieden, in zwei bis drei Tagen zurückzukehren und uns Zeit für diese Sehenswürdigkeit zu nehmen.

Dann ging es weiter entlang der Donau oder zumindest durchs Tal mit grünen Wiesen alten Bäumen, Streuobstwiesen mit Marillen, Äpfeln, Birnen und Pflaumen und steilen Weinbergen. Hübsch, aber auch bedrängend. Ja, ich gestehe, ich bin kein Mensch der Berge. Ich liebe den weiten Blick, die Monotonie einer flachen grauen Nordsee bis zum Horizont, einzige Erhebung zwanzig Meter hohe Dünen und hier und da ein Leuchtturm. Aber man will ja auch einmal etwas Anderes sehen und erleben.

Dann erreichten wir Spitz. Oh dachte ich, kleines totes Dorf. Egal, ich will mich ja ausruhen.
Das Appartement im 2. Stock - eine echte Herausforderung für mich, doch ich war mittlerweile etwas kräftiger als in Linz - hatte eine phantastische Ausstattung, reichlich Platz und war sehr geschmackvoll eingerichtet. Der Vermieter Marillenbauer, Ferienwohnungsanbieter und Zillen-Kapitän. Man durfte sich auch in den Garten setzen und so kamen wir erst einmal an.

Was es mit dem "toten Dorf" Spitz auf sich hatte, werde ich in der nächsten Folge berichten.

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