Samstag, 26. September 2026
Reisekrimi - Teil 3 - in der Wachau
c. fabry, 19:33h
Wir kamen an in Spitz - eine Unterkunft im Mehrparteienhaus - Teil eines alten Hofes - bei einem Marillenbauern, der Saft und Marmelade herstellte und selbst Marillenbrand machte.
Unsere Wohnung, die "Quitte" war zwar die teuerste Unterkunft in diesem Urlaub aber dafür auch absolut perfekt. Viel Bewegungsfreiheit, ausgesprochen stylisch in quittengelb, Erdtönen, anthrazit und weiß, mistneu und modern, gemütlich, bequem und absolut gut ausgestattet. Hier konnte ich wunderbar zu Kräften kommen! Die Aussicht war wunderschön - auf die Donau, die Weinberge und die örtliche Burgruine, wohltemperiert, Schalldichte Fenster und elektronische rauf und runterfahrbare Sonnen- und Mückenschutz-Rollos. Wir starteten mit einer tiefenentspannten Teemahlzeit, packten unsere Sachen aus und unternahmen einen Spaziergang durchs Dorf. Es zog sich doch deutlich weiter den Berg hinauf und an ihm entlang, als wir erwartet hatten. Hübsche Häuser, malerische Gärten mit Streuobst, frischem Gras und reichblühenden Blumenbeeten, Kopfsteinpflaster, Ruhe. Die Weinberge machten uns neugierig und trotz massiver Anämie gingen wir doch immer noch einmal um die Kurve und mit vielen Ruhepausen kamen wir deutlich höher als geplant, um dann den atemberaubenden Blick auf das Donautal zu genießen. Die Abendsonne wärmte uns - unten kam sie nicht mehr an, dafür stand sie schon zu tief.
Die wenigen Menschen, die einem in den Straßen begegneten, grüßten freundlich, aber ich ahne, was der Schizophrenist mit der Hinterfotzigkeit der Österreicher meint. Es ist die gleiche Hinterfotzigkeit, die man in zahlreichen ostwestfälischen Dörfern findet, in den idyllischen Küstenorten der ach so freundlichen Niederlande, also überall, wo im ländlichen Raum in ansprechender Landschaft Menschen leben, denen es in der Stadt nicht nur zu laut und wimmelig ist, sondern auch zu kompliziert. Wir hier wissen wie es geht und wir machen es richtig. Wer es nicht so macht wie wir, ist verkehrt und verdient unsere Verachtung. Überall war es hübsch, akkurat und aufgeräumt. Keine Rumpelecken, keine armseligen Hütten, keine Punkgärten. Toller Urlaubsort, aber für mich kein Platz zum Leben. Muss ich aber auch nicht.
Der Vermieter war superfreundlich, unkompliziert, hilfsbereit, entspannt, kommunikativ, unaufdringlich - genauso wie man es sich wünscht. Er zeigte uns seine hübsche Destille im Prozess, Kosten war erlaubt, ein fröhlicher, menschenfreundlicher, fleißiger Mann, der Zufriedenheit und Ausgeglichenheit ausstrahlte. Ich durfte in Ruhe in seinem Vorgarten sitzen, Tee trinken und den Falter lesen. Hat mir übrigens auch gut gefallen, der Falter. Fand ich überzeugend. Ich lese gelegentlich auch die ZEIT, das ist aber immer so ein Projekt, weil man unendlich Platz für das Riesenformat braucht - mindestens einen leer geräumten Esstisch - und jeder Artikel so endlos lang und ausführlich ist, dass man schnell ermüdet und sich immer wie eine Banausin vorkomt, wenn man sie dann nicht zu Ende liest.
Der Falter ist handlicher, kurzweiliger geschrieben, weniger langatmig und trotzdem kritisch, progressiv, politisch relevant und außerordentlich interesant. Wird beim nächsten Österreich-Urlaub gern wieder genommen.
Nun aber wieder zum Urlaubsort. Am Morgen des zweiten Tages hatten wir einen kleinen Spaziergang in die andere Richtung des Dorfes geplant, das sich nun doch als Kleinstadt erwies. Es gibt alles in Spitz, was man braucht und darüber hinaus noch mehr (Bahnhof, Tankstelle, Fähranleger, Restaurants, Kneipen, Apotheke, Friseur, Läden mit Bioprodukten, Kunst, Tanzlokal, Bäckereien, Vollsortimenter, Post, Bank, Garten- und Baumarkt...) und dann war der Aufstieg zur Burg ausgeschildert. Wir versuchen es einmal, mal sehen, wie weit wir kommen. Bis zum Fuß der Burg waren es etwa 100 Meter, vom Fuß bis zur Turmspitze etwa 50, würde ich schätzen. Nach etwa zwei Stunden hatten wir den höchsten Punkt erklommen (unter normalen Umständen hätte das vielleicht eine halbe Stunde gedauert.) Es gab viel zu sehen, überall Bänke zum Ausruhen, phantastische Perspektiven und viel Raum für Phantasie. Zu der Burgruine gab es auch eine Spuklegende vom Geist einer verstorbenen Ehefrau, die sich am Witwer rächte, weil dieser bis zur nächsten Hochzeit das Trauerjahr nicht einhielt.
Der Abstieg war in 15 Minuten erledigt.
Nach einem kurzen Mittagssnack ging es mit dem Rad an den Donaustrand. Feiner Sand, sommerliche Sonne, sanfte Brise genug Platz obwohl doch einige das schöne Wetter nutzten: Familien mit Kindern, junge Erwachsene, alte Menschen. So konnten wir bei entspannter Atmospäre im leicht schmuddeligen Sand herumlumpen, lesen, träumen, aufs Wasser schauen. Zwischen den Bunen war das Wasser meistenteils flach, der Grund weich und ein klein wenig modrig und es schwammen Algenblüten herum, die etwas an menschliche Hinterlassenschaften erinnerten. An ein paar Stellen war das Schwimmen aber möglich und das Wasser hatte wieder gefühlt 22 Grad oder mehr. Mein Mann sprach einen Einheimischen an, der mit einem skurrilen Boot unterwegs war, wie gefährlich es sei, außerhalb der Bunen zu schwimmen. Er erklärte, gefährlich sei das nicht, er habe als junger Mann einmal schwimmend den Fluss überquert, habe danach aber sehr weit laufen müssen. Für mich als anämisch Schwächelnde kam das Schwimmen in der Strömung definitiv nicht infrage, mein Mann hatte zum Glück auch keine Lust. Der Wachauer war aber sehr nett und kommunikativ, wieder eine gute Erfahrung.
Als die letzten Sonnenstrahlen aus dem Tal verschwanden, machten wir uns ziemlich dreckig auf den Heimweg und nach einer gründlichen Dusche ans Abendessen.
Der folgende Tag startete nach einem sehr ruhigen Frühstück mit einem Ausflug zum Stift Melk. Der Gatte hatte mittelalterliche Stätten erwartet, ein Refektorium mit alten Fresken, Mönchszellen oder Schlafsäle, ein Scriptorium und so weiter. Er wurde enttäuscht, denn das Klosterleben ist noch gegenwärtig. Für mich waren einige moderne theologisch inspirierte Installationen interessant; die antiken Gemälde, den Flügelaltar, pompöse Monstranzen und allgegenwärtige, prunkvolle Barock-Architektur nahmen wir anerkennend mit, ebenso wie die wechselnden schönen Aussichten.
Erfreulich anzusehen war eine Ausstellung moderner Werke unter dem gemeinsamen Thema Natur, viel Überraschendes, Beeindruckendes und Ästhetisches und was uns ebenso außerordentlich gefiel, war der riesige Garten, der seinen Anfang nahm in einer klassischen Barockanlage, sich dann aber hinzog mit kleinen Waldstücken, Naturwiesen und vielen Interessanten Objekten zum Verweilen und Bestaunen. Überall - wie üblich in Östrreich - gab es Sitz- oder Liegegelegenheiten zum Aussruhen und genießen.
Zur Teezeit fanden wir uns in einem Café in der Melker Altstadt ein und genossen Topfenstrudel und Marillenknödel. Ich musste etwas vorsichtig sein und die zuckrigen, buttrigen Brösel auf dem Knödel entfernen, aber es war dennoch ein Genuss, den ich nicht bereuen musste.
Im Café ließen sich vortrefflich Leute beobachten, gegenüber ein schönes Drei-Generationen-Bild, im Café selbst am Nachbartisch allerdings auch ein lautstarker Telekommunikations-Exhibitionist, aber es kann ja auch nicht immer alles idyllisch sein.
Nach dem Ausflug war ich ziemlich erschöpft und setzte mich mit einer Kanne Kräutertee und dem Falter in den Garten, während mein Gatte noch eine längere Radtour unternahm.
Der Gatte radelte einen Teil der Wachau ab, den wir unter normalen Umständen gemeinsam erradelt hätten. Er setzte zwei Mal mit der Rollfähre über, kam bis nach Dürnstein und besuchte auf dem Rückweg noch die pittoreske Kirche und den Friedhof von Weißenkirchen.
Am kommenden Morgen mussten wir unsere Sachen packen und die komfortable Quitte verlassen. Dem Marillenbauern durften wir aber noch beim Brennen des Marillenbrandes zuschauen, die wunderschöne, blanke Destille bewundern und vorsichtig von dem hochprozentigen Destilat kosten. Ich nicht, aber der Gatte. Unser Vermieter war ein freundlicher Mensch, der uns in keiner Weise seine Produkte aufschwatzte und der uns einlud, gern wieder zu kommen. Das Auto durften wir noch bis zur endgültigen Abreise stehen lassen.
Wir setzten über mit der Rollfähre - dem historischen Boot, das zuvor viele Jahre in Aschach im Einsatz gewesen war und wegen der Umgestaltung des Flusses dort nicht mehr gebraucht wurde. Wir waren fasziniert von dem nachhaltigen Betrieb ohne Motor, der allein durch geschicktes Manövrieren mit der Strömung und einem gespannten Stahlseil funktioniert. Leise und ohne Schadstoff-Ausstoß. Sogar ein paar Autos können damit übersetzen. In unserem Fall waren es viele Radfahrer*innen. Auf der anderen Seite spazierten wir zum nächsten Dorf - Arnsdorf - mit einer entzückenden Pfarrkirche und einer pittoresken alten Gasse. Dann setzten wir ein zweites Mal über und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel. Eine letzte Pause in der Wachau legten wir in Dürnstein ein, an einem idyllischen Picknichplatz unterhalb der Stadt, unter sehr alten Bäumen, direkt an der Flussschleife.
Fortsetzung folgt.
Unsere Wohnung, die "Quitte" war zwar die teuerste Unterkunft in diesem Urlaub aber dafür auch absolut perfekt. Viel Bewegungsfreiheit, ausgesprochen stylisch in quittengelb, Erdtönen, anthrazit und weiß, mistneu und modern, gemütlich, bequem und absolut gut ausgestattet. Hier konnte ich wunderbar zu Kräften kommen! Die Aussicht war wunderschön - auf die Donau, die Weinberge und die örtliche Burgruine, wohltemperiert, Schalldichte Fenster und elektronische rauf und runterfahrbare Sonnen- und Mückenschutz-Rollos. Wir starteten mit einer tiefenentspannten Teemahlzeit, packten unsere Sachen aus und unternahmen einen Spaziergang durchs Dorf. Es zog sich doch deutlich weiter den Berg hinauf und an ihm entlang, als wir erwartet hatten. Hübsche Häuser, malerische Gärten mit Streuobst, frischem Gras und reichblühenden Blumenbeeten, Kopfsteinpflaster, Ruhe. Die Weinberge machten uns neugierig und trotz massiver Anämie gingen wir doch immer noch einmal um die Kurve und mit vielen Ruhepausen kamen wir deutlich höher als geplant, um dann den atemberaubenden Blick auf das Donautal zu genießen. Die Abendsonne wärmte uns - unten kam sie nicht mehr an, dafür stand sie schon zu tief.
Die wenigen Menschen, die einem in den Straßen begegneten, grüßten freundlich, aber ich ahne, was der Schizophrenist mit der Hinterfotzigkeit der Österreicher meint. Es ist die gleiche Hinterfotzigkeit, die man in zahlreichen ostwestfälischen Dörfern findet, in den idyllischen Küstenorten der ach so freundlichen Niederlande, also überall, wo im ländlichen Raum in ansprechender Landschaft Menschen leben, denen es in der Stadt nicht nur zu laut und wimmelig ist, sondern auch zu kompliziert. Wir hier wissen wie es geht und wir machen es richtig. Wer es nicht so macht wie wir, ist verkehrt und verdient unsere Verachtung. Überall war es hübsch, akkurat und aufgeräumt. Keine Rumpelecken, keine armseligen Hütten, keine Punkgärten. Toller Urlaubsort, aber für mich kein Platz zum Leben. Muss ich aber auch nicht.
Der Vermieter war superfreundlich, unkompliziert, hilfsbereit, entspannt, kommunikativ, unaufdringlich - genauso wie man es sich wünscht. Er zeigte uns seine hübsche Destille im Prozess, Kosten war erlaubt, ein fröhlicher, menschenfreundlicher, fleißiger Mann, der Zufriedenheit und Ausgeglichenheit ausstrahlte. Ich durfte in Ruhe in seinem Vorgarten sitzen, Tee trinken und den Falter lesen. Hat mir übrigens auch gut gefallen, der Falter. Fand ich überzeugend. Ich lese gelegentlich auch die ZEIT, das ist aber immer so ein Projekt, weil man unendlich Platz für das Riesenformat braucht - mindestens einen leer geräumten Esstisch - und jeder Artikel so endlos lang und ausführlich ist, dass man schnell ermüdet und sich immer wie eine Banausin vorkomt, wenn man sie dann nicht zu Ende liest.
Der Falter ist handlicher, kurzweiliger geschrieben, weniger langatmig und trotzdem kritisch, progressiv, politisch relevant und außerordentlich interesant. Wird beim nächsten Österreich-Urlaub gern wieder genommen.
Nun aber wieder zum Urlaubsort. Am Morgen des zweiten Tages hatten wir einen kleinen Spaziergang in die andere Richtung des Dorfes geplant, das sich nun doch als Kleinstadt erwies. Es gibt alles in Spitz, was man braucht und darüber hinaus noch mehr (Bahnhof, Tankstelle, Fähranleger, Restaurants, Kneipen, Apotheke, Friseur, Läden mit Bioprodukten, Kunst, Tanzlokal, Bäckereien, Vollsortimenter, Post, Bank, Garten- und Baumarkt...) und dann war der Aufstieg zur Burg ausgeschildert. Wir versuchen es einmal, mal sehen, wie weit wir kommen. Bis zum Fuß der Burg waren es etwa 100 Meter, vom Fuß bis zur Turmspitze etwa 50, würde ich schätzen. Nach etwa zwei Stunden hatten wir den höchsten Punkt erklommen (unter normalen Umständen hätte das vielleicht eine halbe Stunde gedauert.) Es gab viel zu sehen, überall Bänke zum Ausruhen, phantastische Perspektiven und viel Raum für Phantasie. Zu der Burgruine gab es auch eine Spuklegende vom Geist einer verstorbenen Ehefrau, die sich am Witwer rächte, weil dieser bis zur nächsten Hochzeit das Trauerjahr nicht einhielt.
Der Abstieg war in 15 Minuten erledigt.
Nach einem kurzen Mittagssnack ging es mit dem Rad an den Donaustrand. Feiner Sand, sommerliche Sonne, sanfte Brise genug Platz obwohl doch einige das schöne Wetter nutzten: Familien mit Kindern, junge Erwachsene, alte Menschen. So konnten wir bei entspannter Atmospäre im leicht schmuddeligen Sand herumlumpen, lesen, träumen, aufs Wasser schauen. Zwischen den Bunen war das Wasser meistenteils flach, der Grund weich und ein klein wenig modrig und es schwammen Algenblüten herum, die etwas an menschliche Hinterlassenschaften erinnerten. An ein paar Stellen war das Schwimmen aber möglich und das Wasser hatte wieder gefühlt 22 Grad oder mehr. Mein Mann sprach einen Einheimischen an, der mit einem skurrilen Boot unterwegs war, wie gefährlich es sei, außerhalb der Bunen zu schwimmen. Er erklärte, gefährlich sei das nicht, er habe als junger Mann einmal schwimmend den Fluss überquert, habe danach aber sehr weit laufen müssen. Für mich als anämisch Schwächelnde kam das Schwimmen in der Strömung definitiv nicht infrage, mein Mann hatte zum Glück auch keine Lust. Der Wachauer war aber sehr nett und kommunikativ, wieder eine gute Erfahrung.
Als die letzten Sonnenstrahlen aus dem Tal verschwanden, machten wir uns ziemlich dreckig auf den Heimweg und nach einer gründlichen Dusche ans Abendessen.
Der folgende Tag startete nach einem sehr ruhigen Frühstück mit einem Ausflug zum Stift Melk. Der Gatte hatte mittelalterliche Stätten erwartet, ein Refektorium mit alten Fresken, Mönchszellen oder Schlafsäle, ein Scriptorium und so weiter. Er wurde enttäuscht, denn das Klosterleben ist noch gegenwärtig. Für mich waren einige moderne theologisch inspirierte Installationen interessant; die antiken Gemälde, den Flügelaltar, pompöse Monstranzen und allgegenwärtige, prunkvolle Barock-Architektur nahmen wir anerkennend mit, ebenso wie die wechselnden schönen Aussichten.
Erfreulich anzusehen war eine Ausstellung moderner Werke unter dem gemeinsamen Thema Natur, viel Überraschendes, Beeindruckendes und Ästhetisches und was uns ebenso außerordentlich gefiel, war der riesige Garten, der seinen Anfang nahm in einer klassischen Barockanlage, sich dann aber hinzog mit kleinen Waldstücken, Naturwiesen und vielen Interessanten Objekten zum Verweilen und Bestaunen. Überall - wie üblich in Östrreich - gab es Sitz- oder Liegegelegenheiten zum Aussruhen und genießen.
Zur Teezeit fanden wir uns in einem Café in der Melker Altstadt ein und genossen Topfenstrudel und Marillenknödel. Ich musste etwas vorsichtig sein und die zuckrigen, buttrigen Brösel auf dem Knödel entfernen, aber es war dennoch ein Genuss, den ich nicht bereuen musste.
Im Café ließen sich vortrefflich Leute beobachten, gegenüber ein schönes Drei-Generationen-Bild, im Café selbst am Nachbartisch allerdings auch ein lautstarker Telekommunikations-Exhibitionist, aber es kann ja auch nicht immer alles idyllisch sein.
Nach dem Ausflug war ich ziemlich erschöpft und setzte mich mit einer Kanne Kräutertee und dem Falter in den Garten, während mein Gatte noch eine längere Radtour unternahm.
Der Gatte radelte einen Teil der Wachau ab, den wir unter normalen Umständen gemeinsam erradelt hätten. Er setzte zwei Mal mit der Rollfähre über, kam bis nach Dürnstein und besuchte auf dem Rückweg noch die pittoreske Kirche und den Friedhof von Weißenkirchen.
Am kommenden Morgen mussten wir unsere Sachen packen und die komfortable Quitte verlassen. Dem Marillenbauern durften wir aber noch beim Brennen des Marillenbrandes zuschauen, die wunderschöne, blanke Destille bewundern und vorsichtig von dem hochprozentigen Destilat kosten. Ich nicht, aber der Gatte. Unser Vermieter war ein freundlicher Mensch, der uns in keiner Weise seine Produkte aufschwatzte und der uns einlud, gern wieder zu kommen. Das Auto durften wir noch bis zur endgültigen Abreise stehen lassen.
Wir setzten über mit der Rollfähre - dem historischen Boot, das zuvor viele Jahre in Aschach im Einsatz gewesen war und wegen der Umgestaltung des Flusses dort nicht mehr gebraucht wurde. Wir waren fasziniert von dem nachhaltigen Betrieb ohne Motor, der allein durch geschicktes Manövrieren mit der Strömung und einem gespannten Stahlseil funktioniert. Leise und ohne Schadstoff-Ausstoß. Sogar ein paar Autos können damit übersetzen. In unserem Fall waren es viele Radfahrer*innen. Auf der anderen Seite spazierten wir zum nächsten Dorf - Arnsdorf - mit einer entzückenden Pfarrkirche und einer pittoresken alten Gasse. Dann setzten wir ein zweites Mal über und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel. Eine letzte Pause in der Wachau legten wir in Dürnstein ein, an einem idyllischen Picknichplatz unterhalb der Stadt, unter sehr alten Bäumen, direkt an der Flussschleife.
Fortsetzung folgt.
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Montag, 7. September 2026
Reisekrimi - Teil 2 - von Linz in die Wachau
c. fabry, 12:28h
In diesem Urlaub erschufen wir einen Neologismus: Linzen. Es beschreibt entspanntes Flanieren und Abhängen in der wunderschönen Stadt Linz.
Unser Appartement lag in einem Hotel mitten in der Fußgängerzone. Nicht so schön, aber gut ausgestattet. Was für ein Erlebnis, ausgehfein durch die Straßen zu schlendern - auch wenn ich wegen der ausgeprägten Anämie alle paar hundert Meter eine Sitzpause brauchte - einfach kaufen, was man braucht, ein Stilles Wasser im Straßencafé trinken und dabei vorbeiziehende Menschen beobachten.
Wir schafften es sogar in den sehr hübschen neuen Dom, dem größten Europas, voll mit alter und moderner Kunst, einem kühlen Ort in der Krypta und einem Sprühbrunnen auf dem Vorplatz. In Linz fiel mir dieselbe öffentlich Fürsorge auf wie in Passau: Abkühlung, Trinkwasser und reichlich bequeme, kostenlose Sitzgelegenheiten (auch zum Hinlegen geeignet) an hübschen Orten. Daran sollten sich ostwestfälische Städte ein Beispiel nehmen, mit ihrer ewigen Angst, dass die schönen Bänke dann von unansehnlichen Obdachlosen belegt werden. Mag sein, dass es in Österreich einen großen Anteil spießbürgerlicher Rassisten gibt (genauso wie in Deutschland) und die Wahlergebnisse legen dies nahe, aber im unmittelbaren Kontakt und ganz pragmatisch sind sie doch deutlich entspannter und menschenfreundlicher. Wie habe ich es geliebt, wenn das Pflegepersonal meinen Blutdruck gemessen hat und ein lässig "Paaasst" murmelte. Ich mag die österreichische Mundart, die im Gegensatz zur bayrischen irgendwie fein und gleichzeitig lässig klingt, während sich beim Bayrischen der Eindruck einschleicht, die Sprechenden seien parallel mit Aufstoßen, Husten oder Erbrechen beschäftigt. Man sehe mir das nach. Ich mag auch viele Bayern und finde die auch oft lässiger, zugänglicher, freundlicher und pragmatischer als uns verklemmte Saupreußen mit unserer verbreitet depressiven Struktur.
Nun aber zurück zur Stadt Linz. Mein Mann gab alles, damit ich trotz exorbitanter Anämie eine gute Zeit hatte und dafür würde ich ihn direkt noch einmal heiraten. Er hatte, während ich im Krankenhaus lag, die Stadt gründlich mit dem Fahrrad erkundet, kannte alle Einkaufsmöglichkeiten inklusive Bioladen und Vergnügungsoptionen für durch Kraftlosigkeit motorisch Eingeschränkte.
Was für eine hübsche Stadt! Pittoreske Architektur, internationales Publikum, alle möglichen Arten von Subkultur, spannende Kunstprojekte, angenehme Plätze zum Verweilen, vielfältige Gastronomie, süße Läden, aber auch alles, was man wirklich braucht in erreichbarer Nähe (inklusive Hofer), eine verkehrsberuhigte Innenstadt in der man eine bunte Mischung aus alten, jungen, armen, reichen, "normalen", "alternativen", fröhlichen und gebrochenen Menschen antrifft. Dabei ist es nicht voll, überall ist genug Platz, die Wege sind nicht weit, es gibt keine finsteren Orte (zumindest nicht in der Innenstadt), ein überaus beruhigendes und angenehmes Gewimmel und Gesumm, das ich gern beobachtet und belauscht habe.
Die totale Entschleunigung hatten wir dann am folgenden Tag. Eigentlich hätten wir das Rad genommen, aber ich war noch zu schwach. Zum Glück konnte man hier auch direkt mit dem Auto vorfahren und erschwinglich parken. Ein traumhafter Donaustrand mit feinem Sand und hübschem Kies, uralten Bäumen, einer Schaukel und einem Schwungseil von dem aus Kinder und Jugendliche sich in den Fluss plumpsen ließen. Im warmen Wasser bei gefühlt 22 Grad ließ es sich trotz leichter Strömung vortrefflich schwimmen (wobei ich noch etwas vorsichtig sein musste, um meine Kräfte zu schonen.) Der einzige Nachteil, man war danach ein bisschen schmuddelig, aber so etwas hat uns noch nie gestört.
Hier konnte man herumliegen, lesen, Menschen beobachten - ein kostenloses Naturbad mitten in der Stadt, das nicht ansatzweise überfüllt war. Was für ein Traum!
Am späten Nachmittag kam Regen auf - der auch hier dringend benötigt wurde. Wir verbrachten den Rest des Tages im Appartement mit Tee und Schonkost, Büchern und Fernsehen, während draußen die Waschanlage lief.
Am nächsten Morgen strahlte die Sonne aus allen Löchern. Ein paar Einkäufe und ein wehmütiger Abschied gepaart mit spannender Vorfreude auf unsere nächste Station.
Ursprünglich geplant waren ein paar Fahrrad-Etappen in der Wachau, stattdessen buchte mein Mann drei Übernachtungen in einem Appartement in Spitz.
Unterwegs kamen wir an Melk vorbei. Als alte Fans von Umberto Ecos "Der Name der Rose" waren wir selbstverständlich Neugierig auf den Heimatort des fiktiven Protagonisten Adson von Melk. Wir parkten am Fuß der Altstadt und schlichen in kleinen Etappen hoch. So ein hübsches Örtchen und wieder: ruhig, nette Läden und Cafés, nicht zu voll, massenhaft Sitzgelegenheiten und das bei strahlendem Sonnenschein und mindestens 25 Grad. Nach einer Pause schafften wir auch den Aufstieg zum Kloster, informierten uns über Öffnungszeiten und entschieden, in zwei bis drei Tagen zurückzukehren und uns Zeit für diese Sehenswürdigkeit zu nehmen.
Dann ging es weiter entlang der Donau oder zumindest durchs Tal mit grünen Wiesen alten Bäumen, Streuobstwiesen mit Marillen, Äpfeln, Birnen und Pflaumen und steilen Weinbergen. Hübsch, aber auch bedrängend. Ja, ich gestehe, ich bin kein Mensch der Berge. Ich liebe den weiten Blick, die Monotonie einer flachen grauen Nordsee bis zum Horizont, einzige Erhebung zwanzig Meter hohe Dünen und hier und da ein Leuchtturm. Aber man will ja auch einmal etwas Anderes sehen und erleben.
Dann erreichten wir Spitz. Oh dachte ich, kleines totes Dorf. Egal, ich will mich ja ausruhen.
Das Appartement im 2. Stock - eine echte Herausforderung für mich, doch ich war mittlerweile etwas kräftiger als in Linz - hatte eine phantastische Ausstattung, reichlich Platz und war sehr geschmackvoll eingerichtet. Der Vermieter Marillenbauer, Ferienwohnungsanbieter und Zillen-Kapitän. Man durfte sich auch in den Garten setzen und so kamen wir erst einmal an.
Was es mit dem "toten Dorf" Spitz auf sich hatte, werde ich in der nächsten Folge berichten.
Unser Appartement lag in einem Hotel mitten in der Fußgängerzone. Nicht so schön, aber gut ausgestattet. Was für ein Erlebnis, ausgehfein durch die Straßen zu schlendern - auch wenn ich wegen der ausgeprägten Anämie alle paar hundert Meter eine Sitzpause brauchte - einfach kaufen, was man braucht, ein Stilles Wasser im Straßencafé trinken und dabei vorbeiziehende Menschen beobachten.
Wir schafften es sogar in den sehr hübschen neuen Dom, dem größten Europas, voll mit alter und moderner Kunst, einem kühlen Ort in der Krypta und einem Sprühbrunnen auf dem Vorplatz. In Linz fiel mir dieselbe öffentlich Fürsorge auf wie in Passau: Abkühlung, Trinkwasser und reichlich bequeme, kostenlose Sitzgelegenheiten (auch zum Hinlegen geeignet) an hübschen Orten. Daran sollten sich ostwestfälische Städte ein Beispiel nehmen, mit ihrer ewigen Angst, dass die schönen Bänke dann von unansehnlichen Obdachlosen belegt werden. Mag sein, dass es in Österreich einen großen Anteil spießbürgerlicher Rassisten gibt (genauso wie in Deutschland) und die Wahlergebnisse legen dies nahe, aber im unmittelbaren Kontakt und ganz pragmatisch sind sie doch deutlich entspannter und menschenfreundlicher. Wie habe ich es geliebt, wenn das Pflegepersonal meinen Blutdruck gemessen hat und ein lässig "Paaasst" murmelte. Ich mag die österreichische Mundart, die im Gegensatz zur bayrischen irgendwie fein und gleichzeitig lässig klingt, während sich beim Bayrischen der Eindruck einschleicht, die Sprechenden seien parallel mit Aufstoßen, Husten oder Erbrechen beschäftigt. Man sehe mir das nach. Ich mag auch viele Bayern und finde die auch oft lässiger, zugänglicher, freundlicher und pragmatischer als uns verklemmte Saupreußen mit unserer verbreitet depressiven Struktur.
Nun aber zurück zur Stadt Linz. Mein Mann gab alles, damit ich trotz exorbitanter Anämie eine gute Zeit hatte und dafür würde ich ihn direkt noch einmal heiraten. Er hatte, während ich im Krankenhaus lag, die Stadt gründlich mit dem Fahrrad erkundet, kannte alle Einkaufsmöglichkeiten inklusive Bioladen und Vergnügungsoptionen für durch Kraftlosigkeit motorisch Eingeschränkte.
Was für eine hübsche Stadt! Pittoreske Architektur, internationales Publikum, alle möglichen Arten von Subkultur, spannende Kunstprojekte, angenehme Plätze zum Verweilen, vielfältige Gastronomie, süße Läden, aber auch alles, was man wirklich braucht in erreichbarer Nähe (inklusive Hofer), eine verkehrsberuhigte Innenstadt in der man eine bunte Mischung aus alten, jungen, armen, reichen, "normalen", "alternativen", fröhlichen und gebrochenen Menschen antrifft. Dabei ist es nicht voll, überall ist genug Platz, die Wege sind nicht weit, es gibt keine finsteren Orte (zumindest nicht in der Innenstadt), ein überaus beruhigendes und angenehmes Gewimmel und Gesumm, das ich gern beobachtet und belauscht habe.
Die totale Entschleunigung hatten wir dann am folgenden Tag. Eigentlich hätten wir das Rad genommen, aber ich war noch zu schwach. Zum Glück konnte man hier auch direkt mit dem Auto vorfahren und erschwinglich parken. Ein traumhafter Donaustrand mit feinem Sand und hübschem Kies, uralten Bäumen, einer Schaukel und einem Schwungseil von dem aus Kinder und Jugendliche sich in den Fluss plumpsen ließen. Im warmen Wasser bei gefühlt 22 Grad ließ es sich trotz leichter Strömung vortrefflich schwimmen (wobei ich noch etwas vorsichtig sein musste, um meine Kräfte zu schonen.) Der einzige Nachteil, man war danach ein bisschen schmuddelig, aber so etwas hat uns noch nie gestört.
Hier konnte man herumliegen, lesen, Menschen beobachten - ein kostenloses Naturbad mitten in der Stadt, das nicht ansatzweise überfüllt war. Was für ein Traum!
Am späten Nachmittag kam Regen auf - der auch hier dringend benötigt wurde. Wir verbrachten den Rest des Tages im Appartement mit Tee und Schonkost, Büchern und Fernsehen, während draußen die Waschanlage lief.
Am nächsten Morgen strahlte die Sonne aus allen Löchern. Ein paar Einkäufe und ein wehmütiger Abschied gepaart mit spannender Vorfreude auf unsere nächste Station.
Ursprünglich geplant waren ein paar Fahrrad-Etappen in der Wachau, stattdessen buchte mein Mann drei Übernachtungen in einem Appartement in Spitz.
Unterwegs kamen wir an Melk vorbei. Als alte Fans von Umberto Ecos "Der Name der Rose" waren wir selbstverständlich Neugierig auf den Heimatort des fiktiven Protagonisten Adson von Melk. Wir parkten am Fuß der Altstadt und schlichen in kleinen Etappen hoch. So ein hübsches Örtchen und wieder: ruhig, nette Läden und Cafés, nicht zu voll, massenhaft Sitzgelegenheiten und das bei strahlendem Sonnenschein und mindestens 25 Grad. Nach einer Pause schafften wir auch den Aufstieg zum Kloster, informierten uns über Öffnungszeiten und entschieden, in zwei bis drei Tagen zurückzukehren und uns Zeit für diese Sehenswürdigkeit zu nehmen.
Dann ging es weiter entlang der Donau oder zumindest durchs Tal mit grünen Wiesen alten Bäumen, Streuobstwiesen mit Marillen, Äpfeln, Birnen und Pflaumen und steilen Weinbergen. Hübsch, aber auch bedrängend. Ja, ich gestehe, ich bin kein Mensch der Berge. Ich liebe den weiten Blick, die Monotonie einer flachen grauen Nordsee bis zum Horizont, einzige Erhebung zwanzig Meter hohe Dünen und hier und da ein Leuchtturm. Aber man will ja auch einmal etwas Anderes sehen und erleben.
Dann erreichten wir Spitz. Oh dachte ich, kleines totes Dorf. Egal, ich will mich ja ausruhen.
Das Appartement im 2. Stock - eine echte Herausforderung für mich, doch ich war mittlerweile etwas kräftiger als in Linz - hatte eine phantastische Ausstattung, reichlich Platz und war sehr geschmackvoll eingerichtet. Der Vermieter Marillenbauer, Ferienwohnungsanbieter und Zillen-Kapitän. Man durfte sich auch in den Garten setzen und so kamen wir erst einmal an.
Was es mit dem "toten Dorf" Spitz auf sich hatte, werde ich in der nächsten Folge berichten.
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Sonntag, 6. September 2026
Reisekrimi - Teil 1
c. fabry, 18:58h
Oh bitte, keine falschen Erwartungen. Für mich war es spannend wie ein Krimi, für Sie wird es nur ein Reisebericht, aus dem eines Tages vielleicht der eine oder andere Kurzkrimi hervorgeht.
Es begann mit folgendem Plan: Wir wagen eine Tour auf dem Donauradweg von Passau nach Wien. 320 Kilometer in 10-11 Tagen, anschießend drei Tage Wien als Abschluss. Der Gatte bereitete akribisch vor: bestellte eine Karte, buchte die erste Übernachtung in Passau und die letzten drei in Wien, kundschaftete die Parkmöglichkeiten für den PKW aus, plante auf halber Strecke mit dem Zug zum Auto zu fahren und selbiges nachzuholen zwecks Austausch von Schmutzwäsche gegen saubere. Täglich 30-40 Kilometer radeln mit tonnenschweren 7-Gang-Hollandrädern (Gazelle Impala), bepackt mit je zwei Satteltaschen und einer regenfesten Wurst auf dem Gepäckträger festgezurrt, dafür weitestgehend bergab, schaffen wir schon.
Passau dachte ich: bestimmt bajuwarisch-bierselig, verschnarcht, spießig und todlangweilig. Weit gefehlt! Welch eine pittoreske, verschachtelte Stadt mit immer wieder überraschenden Perspektiven, internationalem Publikum, Studierenden, spannenden kulturellen Details, coolen Kneipen und Restaurants, bunt, lebendig, entspannend. Überall Sitzgelegenheiten und dem besonderen Naturschauspiel, bei dem die kleine Ilz und die grüne Isar die blaue Donau in eine grüne verwandeln. Hier hätte man länger als einen Abend und ein Nacht bleiben können, aber wir mussten weiter.
Das Einfädeln in den Donauradweg am kommenden Morgen erwies sich als schwierig, aber machbar. Man versprach mir, man rolle quasi nur bergab. Mitnichten! Es gab auch die eine oder andere Steigung, die sich zog, dann wieder dachte ich, ich hätte auch einfach nach Südholland fahren können: Flache, breite Radwege, Gegenwind, Wasser und überall flämische oder niederländische Töne. Mal auf Straßen, mal idyllisch direkt am Fluss ging es voran bis nach Engelhartszell.
Dort stapfte der Mann direkt in die Donau und ich warnte vor tückischen Strömungen, die ihn unvermittelt in die Tiefe ziehen könnten, wie man es vom mörderischen Rhein kennt. Er lachte mich aus. Zu recht. Die Donau ist warm, seicht, ruhig und weitestgehend harmlos. Zumindest zwischen den Bunen.
Weil wir noch bei Kräften waren, entschlossen wir uns weiter zu fahren bis Niederranna. Wir mutierten zu Samwise Gamgee und Frodo Baggins und setzten über mit der Bockenburger Fähre über den Brandyweinfluss (okay, es war die Donau und die Fahrradfähre bei Engelhartszell, aber was für ein Erlebnis, dieses idyllische Gefährt mit dem geselligen Fährman, freundlich, hilfreich, humorvoll.)
Wir radelten weiter zu dem von ihm empfohlenen Hotel, das leider ausgebucht war. So kam es zu einem Endspurt über die Brücke nach Wesenufer, dort hatte eine Pension noch ienm Zimmer für uns.
Der Nachteil, es galt etliche Höhenmeter mit dem Rad zu bewältigen, nur schiebend machbar und am Ende waren da Krämpfe in Waden und Armen, da half nur noch Magnesium. Doch wir wurden reichlich belohnt: Eine Sonnenterrasse mit bequemen Liegestühlen zum entspannten in der Sonne lesen und wegdösen, später dann, als der Himmel sich langsam zuzog, gingen wir unten im Ort traditionell essen (Hausgemachte Sauwald-Erdäpfelnudeln geschwenkt in knackigem saisonalem Pfannengemüse, Eierschwammerl, überbacken mit regionalem Schärdinger Käse dazu frische Gartenkräuter)
Der folgenden Wolkenbruch konnte uns nichts anhaben und als wir satt und zufrieden in unser Zimmer zurückkehrtn, hatte der Regen deutlich nachgelassen.
Wohnen hätte ich dort trotzdem nicht wollen: Das Flusstal zu eng, die Höhen zu steil, die Umgebung mit sehr homogener, aufgeräumter Wohnbebauung eher anregungsarm und für langfristigen Aufenthalt geeignet, um schwere Depressionen zu entwickeln. Trotzdem eine freundliche, entspannte, junge Vermieterin.
Morgens beim Frühstück zeigte sich ein etwas anderes Gesicht. Das Angebot war bescheiden, der ältere Wirt ein Bilderbuchgrantler, mit durchaus auch sympathischen Zügen und einem sehr eigenen Humor. Ich würde ihn durchaus nicht als freundlich bezeichnen, man traute sich nicht, ein Brot für die Fahrt zu schmieren (bei einem 5,0€-Frühstück käme man sich vor wie der personifizierte Geiz in Personalunion mit der Fleisch gewordenen Dreistigkeit. Aber wir baten um Heißwasser für unsrer Thermoskanne, was ihm geradezu unbegreiflich erschien, schließlich gebe es an der Donau genug Wasser, das könne man bedenkenlos trinken, man werde nur krank davon, weiter nichts. Ein weiterer, freundlich zurückhaltender des Deutschen nicht mächtiger Gast wurde unwirsch behandelt und bei der Unterbringung seiner Lebensmittelreste gemaßregelt, das war mir sehr unangenehm. Sonst war aber alles schön, mit Fahrradgarage, großem, funktionalem Zimmer und fairem Preis.
Es ging weiter zur großen Donauschleife, vorbei an der Fahrradfähre, um noch ein wenige mehr vom Flusslauf zu sehen, zurück zur Fähre, dann noch einmal am Fluss entlang, weil der gierige Gatte beim Pflaumen mopsen sein Mobiltelefon verloren hatte.
Danach ging es durch eine Wahrhaft idyllsche Landschaft mit atemberaubenden Perspektiven auf sich wandelndes Wasser, blauen Himmel und dramatische Wolkenformationen, romantische Schwäne, Felsen, Schilf, Bäume, Gräser und Blumen.
Schließlich erreichten wir Aschach, wo ein Volksfest tobte und ein äußerst engagierter Einheimischer uns ungefragte eine Führung durch das Schiffsbaumuseum aufdrängte. Verstehen Sie mich nicht falsch, wir wollten uns das Museum ansehen und der Herr war überaus freundliche, aufgeschlossen, zugewandt und fachkompetent. Nur war ich mit meinen Kräften am Ende und konnte nicht so lange stehen und zuhören, mir wurde schwummrig und übel und ich musste mich setzen – aus Gründen, wie sich etwa 12-16 Stunden später herausstellen sollte.
Es war schon spannend, mit welch spitzfindiger Technik Boote und Rollfähren gebaut worden waren, wie der urspüngliche Verlauf des Flusses gewesen war, wie die Menschen dort vor Jahrhunderten gelebt und Handelswaren mit Pferden die Donau heruntergeschleppt hatten.
Das Volksfest bestand aus einem epischen Kunstgewerbe-Markt (Töpferwaren, Modeschmuck, Gefilztes, Korbflechtereien, Textilien), alles sehr wertig, aber für mein Empfinden immer haarscharf vorbei am guten Geschmack, bieder, langweilig oder überladen. Es war jedoch kurzweilig, dort enlang zu schlendern und Menschen zu beobachten, denn wir mussten ein wenig Zeit überbrücken, bis wir unser Hotelzimmer über einer Pizzeria beziehen konnten.
Dies erwies sich als nicht so angenehm. Wegen der anhalten Wärme mussten wir die dreifach verglasten Fenster im Zimmer öffnen. Von draußen lärmte zunächst ohrenbetäubender Autoverkehr und die lautstarken Mikrofonansagen zu einer Regatta auf der Donau herein, dazu war die Aussicht auf einen Supermarktparkplatz und eine wenig malerische moderne Brücke sowie mehrere Verkehrsadern alles andere als malerisch. Hinzu kam eine Gruppe fröhlicher junger Leute, die im Biergarten ununterbrochen brüllend laut auflachten, wie eine Schallplatte mit Sprung. Zum Essen suchten wir darum den Innenbereich der Lokalität auf, wo es ausschließlich Gerichte mit doppelt Käse und übersäuertem Salatdressing zu geben schien. Und laut waren die Gäste dort auch durchgehend. Ein klassischer Schinken-Sahne-Italiener mit dem dazu gehörigen Publikum. Das klingt vielleicht überheblich, aber ich bitte Sie, wenn ich essen gehe, dann möchte ich eine wenig Amuse Geule und bestenfalls dezentes Gemurmel von den anderen Gästen. Mein Gericht konnte ich nicht aufessen, zu sauer, zu fettig, zu viel Käse und ich bin eigentlich nicht so wählerisch. Ich fühlte mich schwach, müde, vollgefressen und fühlte einen erhöhten Puls. Jetzt schon am Ende mit den Kräften, wegen so ein bisschen Radtour? Nachts wälzte ich mich schlaflos auf der viel zu wechen Matratze, im viel zu warmen und lauten Zimmer, nahm Herzpillen, ohne dass sie wirkten und sorgte mich, wie ich am kommenden Tag die gut 30 Kilometer bis Linz bewältigen sollte.
Nach ein paar Stunden sorgte ich mich, ob ich diese Reise überleben würde, denn nun entdeckte ich deutliche Anzeichen einer schweren Magenblutung – ich kenne mich da aus.
Am frühen Morgen bat ich meinen Mann, einen Rettungswagen zu rufen – ich schaffte es kaum vom Bad ins Bett, ohne zu kollabieren.
Während ich im Rettungswagen nur Schemen einer Landschaft erkennen konnte, hatte mein Mann alle Hände voll zu tun: Packen, den Wirt über unsere schwierige Lage informieren, sein Gepäck und Fahrrad mit demselben nach Linz überführen, das Hotelzimmer beziehen, mit der Bahn nach Passau fahren, das Auto auslösen, mit dem Auto nach Aschach fahren und dort mein Rad und mein Restgepäck einladen, dann nach Linz fahren, dort alles ausladen und schließlich herausfinden, wo das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern sich befand und dort seine Frau aufsuchen.
Mir widerfuhr im Linzer Krankenhaus hingegen tatsächlich ein exorbitantes Maß an Barmherzigkeit – um es kurz zu machen: Hier waren alle nett zu mir. Ich fühlte mich bestens versorgt und gut aufgehoben. Leuter entspannte Leute mit gesundem Humor, sehr menschlich, pragmatisch, unkompliziert. Natürlich will niemand gern in einer Klinik liegen, wenn er /sie eigentlich im Urlaub ist, aber gut, dass es diese Klinik gibt, sonst wäre ich wohl verblutet.
Zunächst teilte ich das Zimmer mit einer Österreicherin, die aus der Nähe von Passau stammte, sehr freundlich und höflich, aber nicht sehr gesprächig. Das störte mich nicht, ich fühlte mich elend. In der Nacht kam eine ältere Ukrainerin dazu, die sehr gut Englisch sprach. Bald wurden beide entlassen und eine etwas anstrengende Frau, die sich ständig beklagte, zog bei mir ein, aber sie hatte auch ein schweres Los zu tragen, große Schmerzen und nicht geringe Ängste. Das Personal ging außerordentlich einfühlsam, behutsam und geduldig mit ihr um. Das hat mir gut gefallen. Man spürt, dass in Österreich mehr Geld im Gesundheitssystem steckt, die Personaldecke ist nicht so dünn wie in deutschen Kliniken.
Nach zwei Tagen wurde ich etwas mobiler, konnte mir selbst einen Tee holen und wenn mein Mann zu Besuch kam, lungerten wir auf dem Sonnendeck herum. Es gibt in dieser Linzer Klinik eine neue Dachterrasse, ansprechend gestaltet wie ein Beachclub, mit ergonomisch geformten Holzliegen und Bänken. Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich mich in einem Krankenhaus eincremen, um mir keinen Sonnenbrand zuzuziehen.
Eigentlich hätte man mich schon nach spätestens drei Nächten entlassen, doch man wartete auf Signal meines Körpers, was diese zu geben nicht bereit war. Am Ende hatten die Ärzte nach vier Nächten ein Einsehen, dass es noch viele Tage dauern könnte, bis mein Körper bereit war, den Beweis der Abwesenheit von Nachblutungen herauszurücken und entließ mich in die Linzer Freiheit.
Fortsetzung folgt.
Es begann mit folgendem Plan: Wir wagen eine Tour auf dem Donauradweg von Passau nach Wien. 320 Kilometer in 10-11 Tagen, anschießend drei Tage Wien als Abschluss. Der Gatte bereitete akribisch vor: bestellte eine Karte, buchte die erste Übernachtung in Passau und die letzten drei in Wien, kundschaftete die Parkmöglichkeiten für den PKW aus, plante auf halber Strecke mit dem Zug zum Auto zu fahren und selbiges nachzuholen zwecks Austausch von Schmutzwäsche gegen saubere. Täglich 30-40 Kilometer radeln mit tonnenschweren 7-Gang-Hollandrädern (Gazelle Impala), bepackt mit je zwei Satteltaschen und einer regenfesten Wurst auf dem Gepäckträger festgezurrt, dafür weitestgehend bergab, schaffen wir schon.
Passau dachte ich: bestimmt bajuwarisch-bierselig, verschnarcht, spießig und todlangweilig. Weit gefehlt! Welch eine pittoreske, verschachtelte Stadt mit immer wieder überraschenden Perspektiven, internationalem Publikum, Studierenden, spannenden kulturellen Details, coolen Kneipen und Restaurants, bunt, lebendig, entspannend. Überall Sitzgelegenheiten und dem besonderen Naturschauspiel, bei dem die kleine Ilz und die grüne Isar die blaue Donau in eine grüne verwandeln. Hier hätte man länger als einen Abend und ein Nacht bleiben können, aber wir mussten weiter.
Das Einfädeln in den Donauradweg am kommenden Morgen erwies sich als schwierig, aber machbar. Man versprach mir, man rolle quasi nur bergab. Mitnichten! Es gab auch die eine oder andere Steigung, die sich zog, dann wieder dachte ich, ich hätte auch einfach nach Südholland fahren können: Flache, breite Radwege, Gegenwind, Wasser und überall flämische oder niederländische Töne. Mal auf Straßen, mal idyllisch direkt am Fluss ging es voran bis nach Engelhartszell.
Dort stapfte der Mann direkt in die Donau und ich warnte vor tückischen Strömungen, die ihn unvermittelt in die Tiefe ziehen könnten, wie man es vom mörderischen Rhein kennt. Er lachte mich aus. Zu recht. Die Donau ist warm, seicht, ruhig und weitestgehend harmlos. Zumindest zwischen den Bunen.
Weil wir noch bei Kräften waren, entschlossen wir uns weiter zu fahren bis Niederranna. Wir mutierten zu Samwise Gamgee und Frodo Baggins und setzten über mit der Bockenburger Fähre über den Brandyweinfluss (okay, es war die Donau und die Fahrradfähre bei Engelhartszell, aber was für ein Erlebnis, dieses idyllische Gefährt mit dem geselligen Fährman, freundlich, hilfreich, humorvoll.)
Wir radelten weiter zu dem von ihm empfohlenen Hotel, das leider ausgebucht war. So kam es zu einem Endspurt über die Brücke nach Wesenufer, dort hatte eine Pension noch ienm Zimmer für uns.
Der Nachteil, es galt etliche Höhenmeter mit dem Rad zu bewältigen, nur schiebend machbar und am Ende waren da Krämpfe in Waden und Armen, da half nur noch Magnesium. Doch wir wurden reichlich belohnt: Eine Sonnenterrasse mit bequemen Liegestühlen zum entspannten in der Sonne lesen und wegdösen, später dann, als der Himmel sich langsam zuzog, gingen wir unten im Ort traditionell essen (Hausgemachte Sauwald-Erdäpfelnudeln geschwenkt in knackigem saisonalem Pfannengemüse, Eierschwammerl, überbacken mit regionalem Schärdinger Käse dazu frische Gartenkräuter)
Der folgenden Wolkenbruch konnte uns nichts anhaben und als wir satt und zufrieden in unser Zimmer zurückkehrtn, hatte der Regen deutlich nachgelassen.
Wohnen hätte ich dort trotzdem nicht wollen: Das Flusstal zu eng, die Höhen zu steil, die Umgebung mit sehr homogener, aufgeräumter Wohnbebauung eher anregungsarm und für langfristigen Aufenthalt geeignet, um schwere Depressionen zu entwickeln. Trotzdem eine freundliche, entspannte, junge Vermieterin.
Morgens beim Frühstück zeigte sich ein etwas anderes Gesicht. Das Angebot war bescheiden, der ältere Wirt ein Bilderbuchgrantler, mit durchaus auch sympathischen Zügen und einem sehr eigenen Humor. Ich würde ihn durchaus nicht als freundlich bezeichnen, man traute sich nicht, ein Brot für die Fahrt zu schmieren (bei einem 5,0€-Frühstück käme man sich vor wie der personifizierte Geiz in Personalunion mit der Fleisch gewordenen Dreistigkeit. Aber wir baten um Heißwasser für unsrer Thermoskanne, was ihm geradezu unbegreiflich erschien, schließlich gebe es an der Donau genug Wasser, das könne man bedenkenlos trinken, man werde nur krank davon, weiter nichts. Ein weiterer, freundlich zurückhaltender des Deutschen nicht mächtiger Gast wurde unwirsch behandelt und bei der Unterbringung seiner Lebensmittelreste gemaßregelt, das war mir sehr unangenehm. Sonst war aber alles schön, mit Fahrradgarage, großem, funktionalem Zimmer und fairem Preis.
Es ging weiter zur großen Donauschleife, vorbei an der Fahrradfähre, um noch ein wenige mehr vom Flusslauf zu sehen, zurück zur Fähre, dann noch einmal am Fluss entlang, weil der gierige Gatte beim Pflaumen mopsen sein Mobiltelefon verloren hatte.
Danach ging es durch eine Wahrhaft idyllsche Landschaft mit atemberaubenden Perspektiven auf sich wandelndes Wasser, blauen Himmel und dramatische Wolkenformationen, romantische Schwäne, Felsen, Schilf, Bäume, Gräser und Blumen.
Schließlich erreichten wir Aschach, wo ein Volksfest tobte und ein äußerst engagierter Einheimischer uns ungefragte eine Führung durch das Schiffsbaumuseum aufdrängte. Verstehen Sie mich nicht falsch, wir wollten uns das Museum ansehen und der Herr war überaus freundliche, aufgeschlossen, zugewandt und fachkompetent. Nur war ich mit meinen Kräften am Ende und konnte nicht so lange stehen und zuhören, mir wurde schwummrig und übel und ich musste mich setzen – aus Gründen, wie sich etwa 12-16 Stunden später herausstellen sollte.
Es war schon spannend, mit welch spitzfindiger Technik Boote und Rollfähren gebaut worden waren, wie der urspüngliche Verlauf des Flusses gewesen war, wie die Menschen dort vor Jahrhunderten gelebt und Handelswaren mit Pferden die Donau heruntergeschleppt hatten.
Das Volksfest bestand aus einem epischen Kunstgewerbe-Markt (Töpferwaren, Modeschmuck, Gefilztes, Korbflechtereien, Textilien), alles sehr wertig, aber für mein Empfinden immer haarscharf vorbei am guten Geschmack, bieder, langweilig oder überladen. Es war jedoch kurzweilig, dort enlang zu schlendern und Menschen zu beobachten, denn wir mussten ein wenig Zeit überbrücken, bis wir unser Hotelzimmer über einer Pizzeria beziehen konnten.
Dies erwies sich als nicht so angenehm. Wegen der anhalten Wärme mussten wir die dreifach verglasten Fenster im Zimmer öffnen. Von draußen lärmte zunächst ohrenbetäubender Autoverkehr und die lautstarken Mikrofonansagen zu einer Regatta auf der Donau herein, dazu war die Aussicht auf einen Supermarktparkplatz und eine wenig malerische moderne Brücke sowie mehrere Verkehrsadern alles andere als malerisch. Hinzu kam eine Gruppe fröhlicher junger Leute, die im Biergarten ununterbrochen brüllend laut auflachten, wie eine Schallplatte mit Sprung. Zum Essen suchten wir darum den Innenbereich der Lokalität auf, wo es ausschließlich Gerichte mit doppelt Käse und übersäuertem Salatdressing zu geben schien. Und laut waren die Gäste dort auch durchgehend. Ein klassischer Schinken-Sahne-Italiener mit dem dazu gehörigen Publikum. Das klingt vielleicht überheblich, aber ich bitte Sie, wenn ich essen gehe, dann möchte ich eine wenig Amuse Geule und bestenfalls dezentes Gemurmel von den anderen Gästen. Mein Gericht konnte ich nicht aufessen, zu sauer, zu fettig, zu viel Käse und ich bin eigentlich nicht so wählerisch. Ich fühlte mich schwach, müde, vollgefressen und fühlte einen erhöhten Puls. Jetzt schon am Ende mit den Kräften, wegen so ein bisschen Radtour? Nachts wälzte ich mich schlaflos auf der viel zu wechen Matratze, im viel zu warmen und lauten Zimmer, nahm Herzpillen, ohne dass sie wirkten und sorgte mich, wie ich am kommenden Tag die gut 30 Kilometer bis Linz bewältigen sollte.
Nach ein paar Stunden sorgte ich mich, ob ich diese Reise überleben würde, denn nun entdeckte ich deutliche Anzeichen einer schweren Magenblutung – ich kenne mich da aus.
Am frühen Morgen bat ich meinen Mann, einen Rettungswagen zu rufen – ich schaffte es kaum vom Bad ins Bett, ohne zu kollabieren.
Während ich im Rettungswagen nur Schemen einer Landschaft erkennen konnte, hatte mein Mann alle Hände voll zu tun: Packen, den Wirt über unsere schwierige Lage informieren, sein Gepäck und Fahrrad mit demselben nach Linz überführen, das Hotelzimmer beziehen, mit der Bahn nach Passau fahren, das Auto auslösen, mit dem Auto nach Aschach fahren und dort mein Rad und mein Restgepäck einladen, dann nach Linz fahren, dort alles ausladen und schließlich herausfinden, wo das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern sich befand und dort seine Frau aufsuchen.
Mir widerfuhr im Linzer Krankenhaus hingegen tatsächlich ein exorbitantes Maß an Barmherzigkeit – um es kurz zu machen: Hier waren alle nett zu mir. Ich fühlte mich bestens versorgt und gut aufgehoben. Leuter entspannte Leute mit gesundem Humor, sehr menschlich, pragmatisch, unkompliziert. Natürlich will niemand gern in einer Klinik liegen, wenn er /sie eigentlich im Urlaub ist, aber gut, dass es diese Klinik gibt, sonst wäre ich wohl verblutet.
Zunächst teilte ich das Zimmer mit einer Österreicherin, die aus der Nähe von Passau stammte, sehr freundlich und höflich, aber nicht sehr gesprächig. Das störte mich nicht, ich fühlte mich elend. In der Nacht kam eine ältere Ukrainerin dazu, die sehr gut Englisch sprach. Bald wurden beide entlassen und eine etwas anstrengende Frau, die sich ständig beklagte, zog bei mir ein, aber sie hatte auch ein schweres Los zu tragen, große Schmerzen und nicht geringe Ängste. Das Personal ging außerordentlich einfühlsam, behutsam und geduldig mit ihr um. Das hat mir gut gefallen. Man spürt, dass in Österreich mehr Geld im Gesundheitssystem steckt, die Personaldecke ist nicht so dünn wie in deutschen Kliniken.
Nach zwei Tagen wurde ich etwas mobiler, konnte mir selbst einen Tee holen und wenn mein Mann zu Besuch kam, lungerten wir auf dem Sonnendeck herum. Es gibt in dieser Linzer Klinik eine neue Dachterrasse, ansprechend gestaltet wie ein Beachclub, mit ergonomisch geformten Holzliegen und Bänken. Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich mich in einem Krankenhaus eincremen, um mir keinen Sonnenbrand zuzuziehen.
Eigentlich hätte man mich schon nach spätestens drei Nächten entlassen, doch man wartete auf Signal meines Körpers, was diese zu geben nicht bereit war. Am Ende hatten die Ärzte nach vier Nächten ein Einsehen, dass es noch viele Tage dauern könnte, bis mein Körper bereit war, den Beweis der Abwesenheit von Nachblutungen herauszurücken und entließ mich in die Linzer Freiheit.
Fortsetzung folgt.
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Donnerstag, 3. September 2026
URLAUB
c. fabry, 12:10h

So viel Krimi-inspiration wie in diesem Uraub ( mit dem Rad von Passau nach Aschach' dann 4 Tage Krankenhaus und 2 Tage Erholung in Linz, mit dem Auto drei Tage Wachau und nun den 3.. Und letzten Tag in Wien.
Doch für Inspirationen bin ich noch zu anämisch. Sonnen am Piratenstrand, zurückradeln über die Insel und vielleicht kommen die Ideen im Herbst.
Ich Grüße den Schizophrenisten und halte Ausschau nach einem Herrn im Klappstuhl 😁
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