Mittwoch, 28. Oktober 2026
Reisekrimi Teil 6 – Wien, Donauinsel und mehr
c. fabry, 13:44h
Reisekrimi Teil 6 – Wien, Donauinsel und mehr
Mit einer Radtour durchs Viertel machten wir uns auf den Weg zur Brigittenauer Brücke, schraubten uns auf den Fahrrad- und Rollstuhlfreundlichen Serpentinen rauf und runter und gelangten so auf d etwa 20 Kilometer lange Donau-Insel. Ursprünglich hatte wir einmal geplnt si komplett oder zumindest weitestgehend mit dem Rad zu erkunden, was aufgrund meiner anämischen Schwäche jedoch nicht umsetzbar war. Ein paar Kilometer (etwa 3 hin und 3 zurück) mussten reichen. Hübsch war es hier, ein klassisches Naherholungsgebiet mit viel grün, angenehm befestigten Rad- und Fußwegen, ausreichender Versorgung mit Sitzgelegenheiten, Mistkübeln (Mülleimern), Toiletten und sogar dezenter Gastronomie. Wir machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Strand und hielten neben Ausschau nach einem Mann im Klappstuhl. Ich hatte mir vorgestellt, einen meiner Lieblingsblogger hier zufällig anzutreffen. Man hätte ja auch versuchen können, sich im Vorfeld zu verabreden, aber ich hatte ein wenig Sorge, dass der Herr Schizophrenist sich dann hätte gestalkt fühlen können. So dachte ich, es kann klappen oder eben nicht. Wie wir später feststellten, war die Wahrscheinlichkeit recht hoch, denn er wohnt nicht weit von unserem Hotel und gelangte womöglich an derselben Stelle wir wir auf die Insel. Jedoch schrieb er schon während wir am Strand herumlungerten, dass der Klappstuhl nur noch ein symbolisches Bild sei, er radele herum, schaue sich häufig um und rede vor sich hin.
Um nicht stundenlang unzufrieden auf Strandsuche herumzuradeln, befragten wir die Suchmaschine nach Empfehlungen und begaben uns so über eine Holzhängbrücke ans andere Ufer auf Höhe des Uno-Viertels (diese irgendwie gar nicht unserer Vorstellung von Wien entsprechenden, neumodischen Wolkenkratzer), radelten noch zwei bis drei Kilometer in Richtung Reichsbrücke und gelangten an den empfohlenen Piratenstrand. Eine echte Offenbarung: Feiner, sehr heller Seesand, hohe, romantische Bäume, komfortable Holzbänke, ein altes Ruderboot als Kinderspielplatz und ein einigermaßen bequemer Einstieg in die Donau.
Die Badequalität war hervorragend, warmes, sehr klares Wasser und keinerlei Strömung, was der Tatsache geschuldet war, dass die Donau in diesem Abschnitt gestaut ist, wie mein geselliger Gatte im Gespräch mit einem Wassersportler herausbekam. Hier wurde eine interessante Spielart von Wasserski betrieben, ein Schnorchler war unterwegs, am Strand hatte ein Vater für seine Kinder eine Hängematte in die Bäume gehängt, im Boot spielten sie auch und alle paar hundert Meter gab es die unterschiedlichsten Badestellen: Betonstufen, schwimmende Inseln, Stege, Strände. Weil so viel davon vorhanden war, war es nirgends überfüllt. Ein entspannter Strandtag mitten in der Großstadt. Der Gatte durchquerte einmal schwimmend den Fluss bis zur Insel und wieder zurück, was ihn mit großer Freude erfüllte.
Nach ein paar enspannten Stunden fuhren wir über die Reichsbrücke erneut auf die Insel und radelten zur Brigittenauer Brücke zurück - noch immer Ausschau haltend nach dem beliebten Blogger. Vielleicht klappt es in zwei Jahren, wenn wir unsere Tour von Linz nach Bratislava wirklich machen.
Auf der Tour zum Hotel besorgten wir sehr unösterreichischen Kuchen für den Gatten – es scheint in diesem Viertel nur türkische Bäckereien zu geben, das ist ja spannend, aber eben auch sehr süß und nicht das, wonach man sich sehnt, wenn man hungrug der nachmittäglichen Teezeit entgegenfiebert.
Beim Supermarkt-Einkauf zum Eindecken für die Rückfahrt entdeckte ich spannende Obstbreisorten, zum Beispiel Apfel-Marille.
Nach einer Ruhepause im Hotel begaben wir uns zum Naschmarkt, der leider schon weitestgehend geschlossen wurde. Hier gab es unfassbar spannende Leckereien und viel ansprechende Gastronomie. Da haben wir etwas verpasst. Beim nächsten Mal werden wir uns eher dort hin bewegen.
Der Naschmarkt liegt in einem sehr schönen Stadtviertel, das sogar noch im Dunkeln lebendig und ansprechend wirkt: Schöne, historische beleuchtete Fassaden, viele grüne Inseln und hübsche Bänke, viel Außengastronomie, viele freundliche Menschen in den Straßen, viel alternative Subkultur. Und ich habe dort wenigstens die Falco-Stiege fotografiert, wenn schon nicht das Grabmal auf dem Zentralfriedhof.
Wir suchten ein nettes chinesisches Restaurant mit hübschem Außenbereich auf, damit der Gatte einmal gepflegt Essen gehen konnte – für mich gab es nur Reis :-), sogar die leichte Gemüsesuppe war zu scharf und fettig. Aber das Ambiente machte das Erlebnis auch für mich zu einem unschlagbar angenehmen Abend.
Nach einem letzten Zug durch die Straßen nutzten wir den formidablen öffentlichen Personen-Nahverkehr und begaben uns für unsere letzte Urlaubsnach zurück ins Hotel.
Fortsetzung folgt
Mit einer Radtour durchs Viertel machten wir uns auf den Weg zur Brigittenauer Brücke, schraubten uns auf den Fahrrad- und Rollstuhlfreundlichen Serpentinen rauf und runter und gelangten so auf d etwa 20 Kilometer lange Donau-Insel. Ursprünglich hatte wir einmal geplnt si komplett oder zumindest weitestgehend mit dem Rad zu erkunden, was aufgrund meiner anämischen Schwäche jedoch nicht umsetzbar war. Ein paar Kilometer (etwa 3 hin und 3 zurück) mussten reichen. Hübsch war es hier, ein klassisches Naherholungsgebiet mit viel grün, angenehm befestigten Rad- und Fußwegen, ausreichender Versorgung mit Sitzgelegenheiten, Mistkübeln (Mülleimern), Toiletten und sogar dezenter Gastronomie. Wir machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Strand und hielten neben Ausschau nach einem Mann im Klappstuhl. Ich hatte mir vorgestellt, einen meiner Lieblingsblogger hier zufällig anzutreffen. Man hätte ja auch versuchen können, sich im Vorfeld zu verabreden, aber ich hatte ein wenig Sorge, dass der Herr Schizophrenist sich dann hätte gestalkt fühlen können. So dachte ich, es kann klappen oder eben nicht. Wie wir später feststellten, war die Wahrscheinlichkeit recht hoch, denn er wohnt nicht weit von unserem Hotel und gelangte womöglich an derselben Stelle wir wir auf die Insel. Jedoch schrieb er schon während wir am Strand herumlungerten, dass der Klappstuhl nur noch ein symbolisches Bild sei, er radele herum, schaue sich häufig um und rede vor sich hin.
Um nicht stundenlang unzufrieden auf Strandsuche herumzuradeln, befragten wir die Suchmaschine nach Empfehlungen und begaben uns so über eine Holzhängbrücke ans andere Ufer auf Höhe des Uno-Viertels (diese irgendwie gar nicht unserer Vorstellung von Wien entsprechenden, neumodischen Wolkenkratzer), radelten noch zwei bis drei Kilometer in Richtung Reichsbrücke und gelangten an den empfohlenen Piratenstrand. Eine echte Offenbarung: Feiner, sehr heller Seesand, hohe, romantische Bäume, komfortable Holzbänke, ein altes Ruderboot als Kinderspielplatz und ein einigermaßen bequemer Einstieg in die Donau.
Die Badequalität war hervorragend, warmes, sehr klares Wasser und keinerlei Strömung, was der Tatsache geschuldet war, dass die Donau in diesem Abschnitt gestaut ist, wie mein geselliger Gatte im Gespräch mit einem Wassersportler herausbekam. Hier wurde eine interessante Spielart von Wasserski betrieben, ein Schnorchler war unterwegs, am Strand hatte ein Vater für seine Kinder eine Hängematte in die Bäume gehängt, im Boot spielten sie auch und alle paar hundert Meter gab es die unterschiedlichsten Badestellen: Betonstufen, schwimmende Inseln, Stege, Strände. Weil so viel davon vorhanden war, war es nirgends überfüllt. Ein entspannter Strandtag mitten in der Großstadt. Der Gatte durchquerte einmal schwimmend den Fluss bis zur Insel und wieder zurück, was ihn mit großer Freude erfüllte.
Nach ein paar enspannten Stunden fuhren wir über die Reichsbrücke erneut auf die Insel und radelten zur Brigittenauer Brücke zurück - noch immer Ausschau haltend nach dem beliebten Blogger. Vielleicht klappt es in zwei Jahren, wenn wir unsere Tour von Linz nach Bratislava wirklich machen.
Auf der Tour zum Hotel besorgten wir sehr unösterreichischen Kuchen für den Gatten – es scheint in diesem Viertel nur türkische Bäckereien zu geben, das ist ja spannend, aber eben auch sehr süß und nicht das, wonach man sich sehnt, wenn man hungrug der nachmittäglichen Teezeit entgegenfiebert.
Beim Supermarkt-Einkauf zum Eindecken für die Rückfahrt entdeckte ich spannende Obstbreisorten, zum Beispiel Apfel-Marille.
Nach einer Ruhepause im Hotel begaben wir uns zum Naschmarkt, der leider schon weitestgehend geschlossen wurde. Hier gab es unfassbar spannende Leckereien und viel ansprechende Gastronomie. Da haben wir etwas verpasst. Beim nächsten Mal werden wir uns eher dort hin bewegen.
Der Naschmarkt liegt in einem sehr schönen Stadtviertel, das sogar noch im Dunkeln lebendig und ansprechend wirkt: Schöne, historische beleuchtete Fassaden, viele grüne Inseln und hübsche Bänke, viel Außengastronomie, viele freundliche Menschen in den Straßen, viel alternative Subkultur. Und ich habe dort wenigstens die Falco-Stiege fotografiert, wenn schon nicht das Grabmal auf dem Zentralfriedhof.
Wir suchten ein nettes chinesisches Restaurant mit hübschem Außenbereich auf, damit der Gatte einmal gepflegt Essen gehen konnte – für mich gab es nur Reis :-), sogar die leichte Gemüsesuppe war zu scharf und fettig. Aber das Ambiente machte das Erlebnis auch für mich zu einem unschlagbar angenehmen Abend.
Nach einem letzten Zug durch die Straßen nutzten wir den formidablen öffentlichen Personen-Nahverkehr und begaben uns für unsere letzte Urlaubsnach zurück ins Hotel.
Fortsetzung folgt
... link (2 Kommentare) ... comment
Montag, 12. Oktober 2026
Reisekrimi Teil 5 – noch mehr Sightseeing in Wien
c. fabry, 14:31h
Nach dem Frühstück machten wir uns auf zum zweiten Must-Do. Der Zentralfriedhof. Nicht nur wegen des großartigen Songs von Wolfgang Ambros oder der zahlreichen Prominenten. Wir sind Friedhofstourist*innen. Es machte gleich zu Anfang Eindruck auf uns, dass es entlang des Friedhofs drei Tram-Haltestellen gibt. Gewundert habe ich mich über das Outfit des Stadtteil Simmering – hatte ich mir irgendwie idyllischer vorgestellt, Friedhöfe liegen ja häufig in ruhigen, bürgerlichen Wohngebieten, Simmering wirkte auf mich eher wie ein angeranztes Industriegebiet. Aber was weiß ich schon.
Wir erstanden am Haupteingang einen Lageplan des Friedhofs. Man hätte sogar E-Bikes mieten können und zum ersten Mal in meinem gar nicht mal so kurzen Leben sah ich Autos über einen Friedhof fahren. Befremdlich, aber nachvollziehbar. Das ist kein Friedhof, das ist eine eigene Großstadt. 330 000 Grabstellen – soviel wie Bielefeld Einwohner*innen hat und mittlerweile drei Millionen Verstorbene.
Mozart, Beethoven, Schubert, Johann Strauss, Johannes Brahms – die waren dicht beieinander gebettet.
Wir suchten und fanden für meine Schwester, die unsterblicher Fan ist, das Grab von Udo Jürgens, das aus meiner Sicht beinahe einer Müllhalde glich, weil so viele unbedingt etwas ablegen müssen und dadurh ein unübersichtliches, ästhetisch wenig ansprechendes Durcheinander entsteht. Überhaupt war die Nachbarschaft des berühmten Musikers, den ich irgendwo zwischen Chanson und Schlager verorten würde wild kombiniert: Hedi Lamar, Alfred Adler, Christiane Hörbiger..
Es gab auch sonst viele spannende Grabstellen mir nicht bekannter Personen. Einen zierte die Unterschrift des Verstorbenen mit dem Kommentar: „Heute war gut.“
Spaßenshalber suchten wir auch nach Falco, allerdings ohne Erfolg, das war uns aber egal.
Zum Abschluss besuchten wir den alten jüdischen Friedhof. Hier gab es großartige Grabmale, besonders gut erhalten. Viel würdiger als die gestapelten Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Prag. Das Schlimmste habe ich vor einigen Jahren in Südholland entdeckt: ein winziger jüdischer Friedhof, auf dem niemand mehr begraben liegt, weil die Gemeinde sich für ihre Toten einen würdigeren Ort gesucht hat. In Wien hat jüdisches Leben Platz – auch auf dem Friedhof.
Nach ein paar Stunden waren wir dann doch ein wenig erschöpft und und fuhren Richtung Altstadt, um nach einem geeigneten Pausenraum Ausschau zu halten.
Eigentlich sollte es das Café Central sein, aber das war aktuell geschlossen. Wir waren müde und hungrig und landeten außerplanmäßg in einem Tearoom in unmittelbarer Nähe zum Stefansdom. Was für ein Glücksfall…Ich aß den besten Scone meines Lebens – und ich habe in England mehrfach Scones bestellt – der Tee war gut und reichlich, die Atmosphäre entspannt und gepflegt, der Umgang freundlich. Ein perfekter Platz zum Kraft Schöpfen.
Den Stefans-Dom betrachteten wir nur kurz von innen, der in Linz war spannender. Wir hätten ja Eintritt gezahlt, aber wir fanden nicht, dass es sich lohnt.
Wir ließen uns treiben in den Straßen und Gassen und entdeckten einen wunderschönen Buchladen, in dem ich mich Stunden hätte aufhalten können: so viel Ungewöhnliches und Spannendes in pittoreskem, gemütlichem Ambiente, geheimnisvoll anmutend, mit einer lockeren Buchhändlerin, mit der wir ein langes interessantes Gespräch über diverse Literaturverfilmungen führten.
Ich hatte noch Gruß-Karten zu schreiben und nutzte dafür eine öffentliche Sitzecke, dort gab es sogar Tische, das liebe ich wirklich an Österreich. Ein Briefkasten war schnell gegoogelt und gefunden und dann kamen wir zu Platz vier auf der Must-Do-Liste:
Café Hawelka.
Mein Mann beging den Faux-pax eine koffeinfreie Wieer Melange zu bestellen – diese Bestellung wurd brüsk zurückgewiesen. Darum bestellte er Holunderwasser, davon bekam er leider Magendrücken. Ich bestellte Wiener Melange trotz Magengeschwür, und stellte fest, zumidest im Zustand eines empfindlichen Magens und extremer Anämie wirkt dieser Mokka härter als Koks. Ich habe nur die halbe Tasse getrunken – und die halbe Nacht nicht geschlafen. Die Atmosphäre im Café war legendär. Wir hätten auch gern von den Buchteln gekostet, aber die gab es erst ab 20.00 Uhr.
Am Abend wollte der Gatte eigentlich essen gehen, aber sein Magen rebellierte solidarisch mit meinem. So aßen wir magenfreundlich im Hotel und unternahmen später einen Spaziergang im Dunkeln. Etwas unheimlich für uns ängstliche Landeier, an manchen Stellen waren die Straßen sehr unbelebt, da wo Leben war, war es ganz nett.
Wir nahmen ein stilles Absacker-Wasser in einer traditionellen Kneipe in der Straße in der auch das Hotel lag. Dann machten wir uns auf ins Bett.
Fortsetzung folgt
Wir erstanden am Haupteingang einen Lageplan des Friedhofs. Man hätte sogar E-Bikes mieten können und zum ersten Mal in meinem gar nicht mal so kurzen Leben sah ich Autos über einen Friedhof fahren. Befremdlich, aber nachvollziehbar. Das ist kein Friedhof, das ist eine eigene Großstadt. 330 000 Grabstellen – soviel wie Bielefeld Einwohner*innen hat und mittlerweile drei Millionen Verstorbene.
Mozart, Beethoven, Schubert, Johann Strauss, Johannes Brahms – die waren dicht beieinander gebettet.
Wir suchten und fanden für meine Schwester, die unsterblicher Fan ist, das Grab von Udo Jürgens, das aus meiner Sicht beinahe einer Müllhalde glich, weil so viele unbedingt etwas ablegen müssen und dadurh ein unübersichtliches, ästhetisch wenig ansprechendes Durcheinander entsteht. Überhaupt war die Nachbarschaft des berühmten Musikers, den ich irgendwo zwischen Chanson und Schlager verorten würde wild kombiniert: Hedi Lamar, Alfred Adler, Christiane Hörbiger..
Es gab auch sonst viele spannende Grabstellen mir nicht bekannter Personen. Einen zierte die Unterschrift des Verstorbenen mit dem Kommentar: „Heute war gut.“
Spaßenshalber suchten wir auch nach Falco, allerdings ohne Erfolg, das war uns aber egal.
Zum Abschluss besuchten wir den alten jüdischen Friedhof. Hier gab es großartige Grabmale, besonders gut erhalten. Viel würdiger als die gestapelten Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Prag. Das Schlimmste habe ich vor einigen Jahren in Südholland entdeckt: ein winziger jüdischer Friedhof, auf dem niemand mehr begraben liegt, weil die Gemeinde sich für ihre Toten einen würdigeren Ort gesucht hat. In Wien hat jüdisches Leben Platz – auch auf dem Friedhof.
Nach ein paar Stunden waren wir dann doch ein wenig erschöpft und und fuhren Richtung Altstadt, um nach einem geeigneten Pausenraum Ausschau zu halten.
Eigentlich sollte es das Café Central sein, aber das war aktuell geschlossen. Wir waren müde und hungrig und landeten außerplanmäßg in einem Tearoom in unmittelbarer Nähe zum Stefansdom. Was für ein Glücksfall…Ich aß den besten Scone meines Lebens – und ich habe in England mehrfach Scones bestellt – der Tee war gut und reichlich, die Atmosphäre entspannt und gepflegt, der Umgang freundlich. Ein perfekter Platz zum Kraft Schöpfen.
Den Stefans-Dom betrachteten wir nur kurz von innen, der in Linz war spannender. Wir hätten ja Eintritt gezahlt, aber wir fanden nicht, dass es sich lohnt.
Wir ließen uns treiben in den Straßen und Gassen und entdeckten einen wunderschönen Buchladen, in dem ich mich Stunden hätte aufhalten können: so viel Ungewöhnliches und Spannendes in pittoreskem, gemütlichem Ambiente, geheimnisvoll anmutend, mit einer lockeren Buchhändlerin, mit der wir ein langes interessantes Gespräch über diverse Literaturverfilmungen führten.
Ich hatte noch Gruß-Karten zu schreiben und nutzte dafür eine öffentliche Sitzecke, dort gab es sogar Tische, das liebe ich wirklich an Österreich. Ein Briefkasten war schnell gegoogelt und gefunden und dann kamen wir zu Platz vier auf der Must-Do-Liste:
Café Hawelka.
Mein Mann beging den Faux-pax eine koffeinfreie Wieer Melange zu bestellen – diese Bestellung wurd brüsk zurückgewiesen. Darum bestellte er Holunderwasser, davon bekam er leider Magendrücken. Ich bestellte Wiener Melange trotz Magengeschwür, und stellte fest, zumidest im Zustand eines empfindlichen Magens und extremer Anämie wirkt dieser Mokka härter als Koks. Ich habe nur die halbe Tasse getrunken – und die halbe Nacht nicht geschlafen. Die Atmosphäre im Café war legendär. Wir hätten auch gern von den Buchteln gekostet, aber die gab es erst ab 20.00 Uhr.
Am Abend wollte der Gatte eigentlich essen gehen, aber sein Magen rebellierte solidarisch mit meinem. So aßen wir magenfreundlich im Hotel und unternahmen später einen Spaziergang im Dunkeln. Etwas unheimlich für uns ängstliche Landeier, an manchen Stellen waren die Straßen sehr unbelebt, da wo Leben war, war es ganz nett.
Wir nahmen ein stilles Absacker-Wasser in einer traditionellen Kneipe in der Straße in der auch das Hotel lag. Dann machten wir uns auf ins Bett.
Fortsetzung folgt
... link (1 Kommentar) ... comment
Freitag, 2. Oktober 2026
Reisekrimi Teil 4 – Ankommen in Wien
c. fabry, 20:45h
Wenn man von Nordwesten in die österreichische Hauptstadt einrollt, sieht man sofort, wo man ist: bunte Farbfelder unter Vermeidung rechter Winkel im Stile Friedensreich Hundertwassers – das Fernwärmewerk Spittelau.
Wir waren schnell in dem Stadtteil, in dem der Gatte das Appartement gebucht hatte. Ursprünglich war ja das Einrollen mit dem Rad längs der Donau geplant, darum logierten wir im Bezirk Brigittenau (nächste U-Bahn-Station Friedensbrücke), in einem unaufgeregten Hotel mit sympathisch verlottertem Hinterhof, der früher einmal als Biergarten gedient haben muss. Nette Menschen an der Rezeption, skurriles Appartment mit abenteuerlichem Stilmix, nicht perfekt, aber durchaus komfortabel und mit guter öffentlicher Verkehrsanbindung.
Wir packten aus, gönnten uns eine Teezeit mit Gebäck, planten das weitere Vorgehen und machten uns als erstes auf den Weg zum Hundertwasserhaus. Es wäre spannend gewesen auch die Innenansichten zu bewundern, aber es wäre ja eine Zumutung für die Bewohnenden, wenn ihnen ständig Touristen in der Wohnung herumständen. Ich fand es auch von außen eindrucksvoll und die im Stile Hundertwassers gestaltete Mini-Shoppingmall war ebenfalls ganz süß.
Dann steuerten wir das nächste von mir geplante Ziel an: Den Prater, inklusive Riesenrad. Ja, ich weiß, das machen alle, wie unkreativ, aber ich bitte Sie, zum ersten Mal in Wien und den Prater ignorieren? Das ist wie Paris ohne Eiffelturm, London ohne Towerbrigde, Berlin ohne Brandenburger Tor.
Außerdem ist der kirmesartige „Wurstlprater“ ja nur ein Bruchteil des gigantischen Parks mit Sportstätten, Skateranlagen, Tischtennisplatten, weitläufigen Wiesen, uralten Bäumen und viel echter Natur und nicht so zurechtgestutzt wie in Schönbrunn (das wir uns dann tatsächlich geschenkt haben, das kenne ich ja schon alles aus den Schissi-Filmen). Das Publikum war in jeder Hinsicht bunt, ein wirklich funktionierendes Naherholungsgebiet mit tiefenentspannter Atmosphäre, weil einfach genug Platz da ist und man sich nicht gegenseitig die Ohren abtritt.
Der Wurstlprater gefiel mir deutlich besser als ich erwartet hatte. Trotz moderner Fahrgeschäfte hat er noch viel von einem altmodischen Rummelplatz, natürlich habe ich die „Wilde Maus“ bewundert, die ich aus dem genialen Film von Josef Hader kenne, aber da waren noch mehr Buden, die zwar geschlossen waren, den Betrieb aber wegen ihrer historischen Kulisse optisch aufwerteten. Es roch nicht so aufdringlich nach grenzwertig angebranntem Karamell und zu heißem Frittenfett, es war nicht so laut und nicht so voll, reichlich Platz auf den Straßen zwischen den Geschäften. Nun gut, viel los schien eh nicht zu sein, denn beim Riesenrad mussten wir nicht Schlange stehen.
Ich wäre ja gern zu zweit in der Gondel gewesen – filmreif – aber das wäre natürlich nicht wirtschaftlich und so genossen wir italienische Mitreisende und die beeindruckende Aussicht. Ich erdreistete mich, die Zither-Musik aus dem Dritten Mann abzuspielen, leise aber unüberhörbar, das musste ich mir gönnen, als wir oben waren.
Und wider Erwarten hatte dann auch der Gatte ein großes Vergnügen am Rummelplatz, fuhr er doch mit dem Starflyer-Kettenkarussell, dem Praterturm, Österreichs höchstem Fahrgeschäft. 2010 war es noch das höchste Kettenkarussell der Welt. Der Mann hatte Spaß und ich schöne Fotos. (Und ich konnte das zweite Must-Do auf meiner Liste abhaken.
Wir machten uns danach auf den Heimweg ins Hotel zu Abendessen und Nachtruhe.
Fortsetzung folgt.
Wir waren schnell in dem Stadtteil, in dem der Gatte das Appartement gebucht hatte. Ursprünglich war ja das Einrollen mit dem Rad längs der Donau geplant, darum logierten wir im Bezirk Brigittenau (nächste U-Bahn-Station Friedensbrücke), in einem unaufgeregten Hotel mit sympathisch verlottertem Hinterhof, der früher einmal als Biergarten gedient haben muss. Nette Menschen an der Rezeption, skurriles Appartment mit abenteuerlichem Stilmix, nicht perfekt, aber durchaus komfortabel und mit guter öffentlicher Verkehrsanbindung.
Wir packten aus, gönnten uns eine Teezeit mit Gebäck, planten das weitere Vorgehen und machten uns als erstes auf den Weg zum Hundertwasserhaus. Es wäre spannend gewesen auch die Innenansichten zu bewundern, aber es wäre ja eine Zumutung für die Bewohnenden, wenn ihnen ständig Touristen in der Wohnung herumständen. Ich fand es auch von außen eindrucksvoll und die im Stile Hundertwassers gestaltete Mini-Shoppingmall war ebenfalls ganz süß.
Dann steuerten wir das nächste von mir geplante Ziel an: Den Prater, inklusive Riesenrad. Ja, ich weiß, das machen alle, wie unkreativ, aber ich bitte Sie, zum ersten Mal in Wien und den Prater ignorieren? Das ist wie Paris ohne Eiffelturm, London ohne Towerbrigde, Berlin ohne Brandenburger Tor.
Außerdem ist der kirmesartige „Wurstlprater“ ja nur ein Bruchteil des gigantischen Parks mit Sportstätten, Skateranlagen, Tischtennisplatten, weitläufigen Wiesen, uralten Bäumen und viel echter Natur und nicht so zurechtgestutzt wie in Schönbrunn (das wir uns dann tatsächlich geschenkt haben, das kenne ich ja schon alles aus den Schissi-Filmen). Das Publikum war in jeder Hinsicht bunt, ein wirklich funktionierendes Naherholungsgebiet mit tiefenentspannter Atmosphäre, weil einfach genug Platz da ist und man sich nicht gegenseitig die Ohren abtritt.
Der Wurstlprater gefiel mir deutlich besser als ich erwartet hatte. Trotz moderner Fahrgeschäfte hat er noch viel von einem altmodischen Rummelplatz, natürlich habe ich die „Wilde Maus“ bewundert, die ich aus dem genialen Film von Josef Hader kenne, aber da waren noch mehr Buden, die zwar geschlossen waren, den Betrieb aber wegen ihrer historischen Kulisse optisch aufwerteten. Es roch nicht so aufdringlich nach grenzwertig angebranntem Karamell und zu heißem Frittenfett, es war nicht so laut und nicht so voll, reichlich Platz auf den Straßen zwischen den Geschäften. Nun gut, viel los schien eh nicht zu sein, denn beim Riesenrad mussten wir nicht Schlange stehen.
Ich wäre ja gern zu zweit in der Gondel gewesen – filmreif – aber das wäre natürlich nicht wirtschaftlich und so genossen wir italienische Mitreisende und die beeindruckende Aussicht. Ich erdreistete mich, die Zither-Musik aus dem Dritten Mann abzuspielen, leise aber unüberhörbar, das musste ich mir gönnen, als wir oben waren.
Und wider Erwarten hatte dann auch der Gatte ein großes Vergnügen am Rummelplatz, fuhr er doch mit dem Starflyer-Kettenkarussell, dem Praterturm, Österreichs höchstem Fahrgeschäft. 2010 war es noch das höchste Kettenkarussell der Welt. Der Mann hatte Spaß und ich schöne Fotos. (Und ich konnte das zweite Must-Do auf meiner Liste abhaken.
Wir machten uns danach auf den Heimweg ins Hotel zu Abendessen und Nachtruhe.
Fortsetzung folgt.
... link (0 Kommentare) ... comment
Samstag, 26. September 2026
Reisekrimi - Teil 3 - in der Wachau
c. fabry, 19:33h
Wir kamen an in Spitz - eine Unterkunft im Mehrparteienhaus - Teil eines alten Hofes - bei einem Marillenbauern, der Saft und Marmelade herstellte und selbst Marillenbrand machte.
Unsere Wohnung, die "Quitte" war zwar die teuerste Unterkunft in diesem Urlaub aber dafür auch absolut perfekt. Viel Bewegungsfreiheit, ausgesprochen stylisch in quittengelb, Erdtönen, anthrazit und weiß, mistneu und modern, gemütlich, bequem und absolut gut ausgestattet. Hier konnte ich wunderbar zu Kräften kommen! Die Aussicht war wunderschön - auf die Donau, die Weinberge und die örtliche Burgruine, wohltemperiert, Schalldichte Fenster und elektronische rauf und runterfahrbare Sonnen- und Mückenschutz-Rollos. Wir starteten mit einer tiefenentspannten Teemahlzeit, packten unsere Sachen aus und unternahmen einen Spaziergang durchs Dorf. Es zog sich doch deutlich weiter den Berg hinauf und an ihm entlang, als wir erwartet hatten. Hübsche Häuser, malerische Gärten mit Streuobst, frischem Gras und reichblühenden Blumenbeeten, Kopfsteinpflaster, Ruhe. Die Weinberge machten uns neugierig und trotz massiver Anämie gingen wir doch immer noch einmal um die Kurve und mit vielen Ruhepausen kamen wir deutlich höher als geplant, um dann den atemberaubenden Blick auf das Donautal zu genießen. Die Abendsonne wärmte uns - unten kam sie nicht mehr an, dafür stand sie schon zu tief.
Die wenigen Menschen, die einem in den Straßen begegneten, grüßten freundlich, aber ich ahne, was der Schizophrenist mit der Hinterfotzigkeit der Österreicher meint. Es ist die gleiche Hinterfotzigkeit, die man in zahlreichen ostwestfälischen Dörfern findet, in den idyllischen Küstenorten der ach so freundlichen Niederlande, also überall, wo im ländlichen Raum in ansprechender Landschaft Menschen leben, denen es in der Stadt nicht nur zu laut und wimmelig ist, sondern auch zu kompliziert. Wir hier wissen wie es geht und wir machen es richtig. Wer es nicht so macht wie wir, ist verkehrt und verdient unsere Verachtung. Überall war es hübsch, akkurat und aufgeräumt. Keine Rumpelecken, keine armseligen Hütten, keine Punkgärten. Toller Urlaubsort, aber für mich kein Platz zum Leben. Muss ich aber auch nicht.
Der Vermieter war superfreundlich, unkompliziert, hilfsbereit, entspannt, kommunikativ, unaufdringlich - genauso wie man es sich wünscht. Er zeigte uns seine hübsche Destille im Prozess, Kosten war erlaubt, ein fröhlicher, menschenfreundlicher, fleißiger Mann, der Zufriedenheit und Ausgeglichenheit ausstrahlte. Ich durfte in Ruhe in seinem Vorgarten sitzen, Tee trinken und den Falter lesen. Hat mir übrigens auch gut gefallen, der Falter. Fand ich überzeugend. Ich lese gelegentlich auch die ZEIT, das ist aber immer so ein Projekt, weil man unendlich Platz für das Riesenformat braucht - mindestens einen leer geräumten Esstisch - und jeder Artikel so endlos lang und ausführlich ist, dass man schnell ermüdet und sich immer wie eine Banausin vorkomt, wenn man sie dann nicht zu Ende liest.
Der Falter ist handlicher, kurzweiliger geschrieben, weniger langatmig und trotzdem kritisch, progressiv, politisch relevant und außerordentlich interesant. Wird beim nächsten Österreich-Urlaub gern wieder genommen.
Nun aber wieder zum Urlaubsort. Am Morgen des zweiten Tages hatten wir einen kleinen Spaziergang in die andere Richtung des Dorfes geplant, das sich nun doch als Kleinstadt erwies. Es gibt alles in Spitz, was man braucht und darüber hinaus noch mehr (Bahnhof, Tankstelle, Fähranleger, Restaurants, Kneipen, Apotheke, Friseur, Läden mit Bioprodukten, Kunst, Tanzlokal, Bäckereien, Vollsortimenter, Post, Bank, Garten- und Baumarkt...) und dann war der Aufstieg zur Burg ausgeschildert. Wir versuchen es einmal, mal sehen, wie weit wir kommen. Bis zum Fuß der Burg waren es etwa 100 Meter, vom Fuß bis zur Turmspitze etwa 50, würde ich schätzen. Nach etwa zwei Stunden hatten wir den höchsten Punkt erklommen (unter normalen Umständen hätte das vielleicht eine halbe Stunde gedauert.) Es gab viel zu sehen, überall Bänke zum Ausruhen, phantastische Perspektiven und viel Raum für Phantasie. Zu der Burgruine gab es auch eine Spuklegende vom Geist einer verstorbenen Ehefrau, die sich am Witwer rächte, weil dieser bis zur nächsten Hochzeit das Trauerjahr nicht einhielt.
Der Abstieg war in 15 Minuten erledigt.
Nach einem kurzen Mittagssnack ging es mit dem Rad an den Donaustrand. Feiner Sand, sommerliche Sonne, sanfte Brise genug Platz obwohl doch einige das schöne Wetter nutzten: Familien mit Kindern, junge Erwachsene, alte Menschen. So konnten wir bei entspannter Atmospäre im leicht schmuddeligen Sand herumlumpen, lesen, träumen, aufs Wasser schauen. Zwischen den Bunen war das Wasser meistenteils flach, der Grund weich und ein klein wenig modrig und es schwammen Algenblüten herum, die etwas an menschliche Hinterlassenschaften erinnerten. An ein paar Stellen war das Schwimmen aber möglich und das Wasser hatte wieder gefühlt 22 Grad oder mehr. Mein Mann sprach einen Einheimischen an, der mit einem skurrilen Boot unterwegs war, wie gefährlich es sei, außerhalb der Bunen zu schwimmen. Er erklärte, gefährlich sei das nicht, er habe als junger Mann einmal schwimmend den Fluss überquert, habe danach aber sehr weit laufen müssen. Für mich als anämisch Schwächelnde kam das Schwimmen in der Strömung definitiv nicht infrage, mein Mann hatte zum Glück auch keine Lust. Der Wachauer war aber sehr nett und kommunikativ, wieder eine gute Erfahrung.
Als die letzten Sonnenstrahlen aus dem Tal verschwanden, machten wir uns ziemlich dreckig auf den Heimweg und nach einer gründlichen Dusche ans Abendessen.
Der folgende Tag startete nach einem sehr ruhigen Frühstück mit einem Ausflug zum Stift Melk. Der Gatte hatte mittelalterliche Stätten erwartet, ein Refektorium mit alten Fresken, Mönchszellen oder Schlafsäle, ein Scriptorium und so weiter. Er wurde enttäuscht, denn das Klosterleben ist noch gegenwärtig. Für mich waren einige moderne theologisch inspirierte Installationen interessant; die antiken Gemälde, den Flügelaltar, pompöse Monstranzen und allgegenwärtige, prunkvolle Barock-Architektur nahmen wir anerkennend mit, ebenso wie die wechselnden schönen Aussichten.
Erfreulich anzusehen war eine Ausstellung moderner Werke unter dem gemeinsamen Thema Natur, viel Überraschendes, Beeindruckendes und Ästhetisches und was uns ebenso außerordentlich gefiel, war der riesige Garten, der seinen Anfang nahm in einer klassischen Barockanlage, sich dann aber hinzog mit kleinen Waldstücken, Naturwiesen und vielen Interessanten Objekten zum Verweilen und Bestaunen. Überall - wie üblich in Östrreich - gab es Sitz- oder Liegegelegenheiten zum Aussruhen und genießen.
Zur Teezeit fanden wir uns in einem Café in der Melker Altstadt ein und genossen Topfenstrudel und Marillenknödel. Ich musste etwas vorsichtig sein und die zuckrigen, buttrigen Brösel auf dem Knödel entfernen, aber es war dennoch ein Genuss, den ich nicht bereuen musste.
Im Café ließen sich vortrefflich Leute beobachten, gegenüber ein schönes Drei-Generationen-Bild, im Café selbst am Nachbartisch allerdings auch ein lautstarker Telekommunikations-Exhibitionist, aber es kann ja auch nicht immer alles idyllisch sein.
Nach dem Ausflug war ich ziemlich erschöpft und setzte mich mit einer Kanne Kräutertee und dem Falter in den Garten, während mein Gatte noch eine längere Radtour unternahm.
Der Gatte radelte einen Teil der Wachau ab, den wir unter normalen Umständen gemeinsam erradelt hätten. Er setzte zwei Mal mit der Rollfähre über, kam bis nach Dürnstein und besuchte auf dem Rückweg noch die pittoreske Kirche und den Friedhof von Weißenkirchen.
Am kommenden Morgen mussten wir unsere Sachen packen und die komfortable Quitte verlassen. Dem Marillenbauern durften wir aber noch beim Brennen des Marillenbrandes zuschauen, die wunderschöne, blanke Destille bewundern und vorsichtig von dem hochprozentigen Destilat kosten. Ich nicht, aber der Gatte. Unser Vermieter war ein freundlicher Mensch, der uns in keiner Weise seine Produkte aufschwatzte und der uns einlud, gern wieder zu kommen. Das Auto durften wir noch bis zur endgültigen Abreise stehen lassen.
Wir setzten über mit der Rollfähre - dem historischen Boot, das zuvor viele Jahre in Aschach im Einsatz gewesen war und wegen der Umgestaltung des Flusses dort nicht mehr gebraucht wurde. Wir waren fasziniert von dem nachhaltigen Betrieb ohne Motor, der allein durch geschicktes Manövrieren mit der Strömung und einem gespannten Stahlseil funktioniert. Leise und ohne Schadstoff-Ausstoß. Sogar ein paar Autos können damit übersetzen. In unserem Fall waren es viele Radfahrer*innen. Auf der anderen Seite spazierten wir zum nächsten Dorf - Arnsdorf - mit einer entzückenden Pfarrkirche und einer pittoresken alten Gasse. Dann setzten wir ein zweites Mal über und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel. Eine letzte Pause in der Wachau legten wir in Dürnstein ein, an einem idyllischen Picknichplatz unterhalb der Stadt, unter sehr alten Bäumen, direkt an der Flussschleife.
Fortsetzung folgt.
Unsere Wohnung, die "Quitte" war zwar die teuerste Unterkunft in diesem Urlaub aber dafür auch absolut perfekt. Viel Bewegungsfreiheit, ausgesprochen stylisch in quittengelb, Erdtönen, anthrazit und weiß, mistneu und modern, gemütlich, bequem und absolut gut ausgestattet. Hier konnte ich wunderbar zu Kräften kommen! Die Aussicht war wunderschön - auf die Donau, die Weinberge und die örtliche Burgruine, wohltemperiert, Schalldichte Fenster und elektronische rauf und runterfahrbare Sonnen- und Mückenschutz-Rollos. Wir starteten mit einer tiefenentspannten Teemahlzeit, packten unsere Sachen aus und unternahmen einen Spaziergang durchs Dorf. Es zog sich doch deutlich weiter den Berg hinauf und an ihm entlang, als wir erwartet hatten. Hübsche Häuser, malerische Gärten mit Streuobst, frischem Gras und reichblühenden Blumenbeeten, Kopfsteinpflaster, Ruhe. Die Weinberge machten uns neugierig und trotz massiver Anämie gingen wir doch immer noch einmal um die Kurve und mit vielen Ruhepausen kamen wir deutlich höher als geplant, um dann den atemberaubenden Blick auf das Donautal zu genießen. Die Abendsonne wärmte uns - unten kam sie nicht mehr an, dafür stand sie schon zu tief.
Die wenigen Menschen, die einem in den Straßen begegneten, grüßten freundlich, aber ich ahne, was der Schizophrenist mit der Hinterfotzigkeit der Österreicher meint. Es ist die gleiche Hinterfotzigkeit, die man in zahlreichen ostwestfälischen Dörfern findet, in den idyllischen Küstenorten der ach so freundlichen Niederlande, also überall, wo im ländlichen Raum in ansprechender Landschaft Menschen leben, denen es in der Stadt nicht nur zu laut und wimmelig ist, sondern auch zu kompliziert. Wir hier wissen wie es geht und wir machen es richtig. Wer es nicht so macht wie wir, ist verkehrt und verdient unsere Verachtung. Überall war es hübsch, akkurat und aufgeräumt. Keine Rumpelecken, keine armseligen Hütten, keine Punkgärten. Toller Urlaubsort, aber für mich kein Platz zum Leben. Muss ich aber auch nicht.
Der Vermieter war superfreundlich, unkompliziert, hilfsbereit, entspannt, kommunikativ, unaufdringlich - genauso wie man es sich wünscht. Er zeigte uns seine hübsche Destille im Prozess, Kosten war erlaubt, ein fröhlicher, menschenfreundlicher, fleißiger Mann, der Zufriedenheit und Ausgeglichenheit ausstrahlte. Ich durfte in Ruhe in seinem Vorgarten sitzen, Tee trinken und den Falter lesen. Hat mir übrigens auch gut gefallen, der Falter. Fand ich überzeugend. Ich lese gelegentlich auch die ZEIT, das ist aber immer so ein Projekt, weil man unendlich Platz für das Riesenformat braucht - mindestens einen leer geräumten Esstisch - und jeder Artikel so endlos lang und ausführlich ist, dass man schnell ermüdet und sich immer wie eine Banausin vorkomt, wenn man sie dann nicht zu Ende liest.
Der Falter ist handlicher, kurzweiliger geschrieben, weniger langatmig und trotzdem kritisch, progressiv, politisch relevant und außerordentlich interesant. Wird beim nächsten Österreich-Urlaub gern wieder genommen.
Nun aber wieder zum Urlaubsort. Am Morgen des zweiten Tages hatten wir einen kleinen Spaziergang in die andere Richtung des Dorfes geplant, das sich nun doch als Kleinstadt erwies. Es gibt alles in Spitz, was man braucht und darüber hinaus noch mehr (Bahnhof, Tankstelle, Fähranleger, Restaurants, Kneipen, Apotheke, Friseur, Läden mit Bioprodukten, Kunst, Tanzlokal, Bäckereien, Vollsortimenter, Post, Bank, Garten- und Baumarkt...) und dann war der Aufstieg zur Burg ausgeschildert. Wir versuchen es einmal, mal sehen, wie weit wir kommen. Bis zum Fuß der Burg waren es etwa 100 Meter, vom Fuß bis zur Turmspitze etwa 50, würde ich schätzen. Nach etwa zwei Stunden hatten wir den höchsten Punkt erklommen (unter normalen Umständen hätte das vielleicht eine halbe Stunde gedauert.) Es gab viel zu sehen, überall Bänke zum Ausruhen, phantastische Perspektiven und viel Raum für Phantasie. Zu der Burgruine gab es auch eine Spuklegende vom Geist einer verstorbenen Ehefrau, die sich am Witwer rächte, weil dieser bis zur nächsten Hochzeit das Trauerjahr nicht einhielt.
Der Abstieg war in 15 Minuten erledigt.
Nach einem kurzen Mittagssnack ging es mit dem Rad an den Donaustrand. Feiner Sand, sommerliche Sonne, sanfte Brise genug Platz obwohl doch einige das schöne Wetter nutzten: Familien mit Kindern, junge Erwachsene, alte Menschen. So konnten wir bei entspannter Atmospäre im leicht schmuddeligen Sand herumlumpen, lesen, träumen, aufs Wasser schauen. Zwischen den Bunen war das Wasser meistenteils flach, der Grund weich und ein klein wenig modrig und es schwammen Algenblüten herum, die etwas an menschliche Hinterlassenschaften erinnerten. An ein paar Stellen war das Schwimmen aber möglich und das Wasser hatte wieder gefühlt 22 Grad oder mehr. Mein Mann sprach einen Einheimischen an, der mit einem skurrilen Boot unterwegs war, wie gefährlich es sei, außerhalb der Bunen zu schwimmen. Er erklärte, gefährlich sei das nicht, er habe als junger Mann einmal schwimmend den Fluss überquert, habe danach aber sehr weit laufen müssen. Für mich als anämisch Schwächelnde kam das Schwimmen in der Strömung definitiv nicht infrage, mein Mann hatte zum Glück auch keine Lust. Der Wachauer war aber sehr nett und kommunikativ, wieder eine gute Erfahrung.
Als die letzten Sonnenstrahlen aus dem Tal verschwanden, machten wir uns ziemlich dreckig auf den Heimweg und nach einer gründlichen Dusche ans Abendessen.
Der folgende Tag startete nach einem sehr ruhigen Frühstück mit einem Ausflug zum Stift Melk. Der Gatte hatte mittelalterliche Stätten erwartet, ein Refektorium mit alten Fresken, Mönchszellen oder Schlafsäle, ein Scriptorium und so weiter. Er wurde enttäuscht, denn das Klosterleben ist noch gegenwärtig. Für mich waren einige moderne theologisch inspirierte Installationen interessant; die antiken Gemälde, den Flügelaltar, pompöse Monstranzen und allgegenwärtige, prunkvolle Barock-Architektur nahmen wir anerkennend mit, ebenso wie die wechselnden schönen Aussichten.
Erfreulich anzusehen war eine Ausstellung moderner Werke unter dem gemeinsamen Thema Natur, viel Überraschendes, Beeindruckendes und Ästhetisches und was uns ebenso außerordentlich gefiel, war der riesige Garten, der seinen Anfang nahm in einer klassischen Barockanlage, sich dann aber hinzog mit kleinen Waldstücken, Naturwiesen und vielen Interessanten Objekten zum Verweilen und Bestaunen. Überall - wie üblich in Östrreich - gab es Sitz- oder Liegegelegenheiten zum Aussruhen und genießen.
Zur Teezeit fanden wir uns in einem Café in der Melker Altstadt ein und genossen Topfenstrudel und Marillenknödel. Ich musste etwas vorsichtig sein und die zuckrigen, buttrigen Brösel auf dem Knödel entfernen, aber es war dennoch ein Genuss, den ich nicht bereuen musste.
Im Café ließen sich vortrefflich Leute beobachten, gegenüber ein schönes Drei-Generationen-Bild, im Café selbst am Nachbartisch allerdings auch ein lautstarker Telekommunikations-Exhibitionist, aber es kann ja auch nicht immer alles idyllisch sein.
Nach dem Ausflug war ich ziemlich erschöpft und setzte mich mit einer Kanne Kräutertee und dem Falter in den Garten, während mein Gatte noch eine längere Radtour unternahm.
Der Gatte radelte einen Teil der Wachau ab, den wir unter normalen Umständen gemeinsam erradelt hätten. Er setzte zwei Mal mit der Rollfähre über, kam bis nach Dürnstein und besuchte auf dem Rückweg noch die pittoreske Kirche und den Friedhof von Weißenkirchen.
Am kommenden Morgen mussten wir unsere Sachen packen und die komfortable Quitte verlassen. Dem Marillenbauern durften wir aber noch beim Brennen des Marillenbrandes zuschauen, die wunderschöne, blanke Destille bewundern und vorsichtig von dem hochprozentigen Destilat kosten. Ich nicht, aber der Gatte. Unser Vermieter war ein freundlicher Mensch, der uns in keiner Weise seine Produkte aufschwatzte und der uns einlud, gern wieder zu kommen. Das Auto durften wir noch bis zur endgültigen Abreise stehen lassen.
Wir setzten über mit der Rollfähre - dem historischen Boot, das zuvor viele Jahre in Aschach im Einsatz gewesen war und wegen der Umgestaltung des Flusses dort nicht mehr gebraucht wurde. Wir waren fasziniert von dem nachhaltigen Betrieb ohne Motor, der allein durch geschicktes Manövrieren mit der Strömung und einem gespannten Stahlseil funktioniert. Leise und ohne Schadstoff-Ausstoß. Sogar ein paar Autos können damit übersetzen. In unserem Fall waren es viele Radfahrer*innen. Auf der anderen Seite spazierten wir zum nächsten Dorf - Arnsdorf - mit einer entzückenden Pfarrkirche und einer pittoresken alten Gasse. Dann setzten wir ein zweites Mal über und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel. Eine letzte Pause in der Wachau legten wir in Dürnstein ein, an einem idyllischen Picknichplatz unterhalb der Stadt, unter sehr alten Bäumen, direkt an der Flussschleife.
Fortsetzung folgt.
... link (5 Kommentare) ... comment
... older stories