Donnerstag, 3. September 2026
URLAUB
c. fabry, 12:10h

So viel Krimi-inspiration wie in diesem Uraub ( mit dem Rad von Passau nach Aschach' dann 4 Tage Krankenhaus und 2 Tage Erholung in Linz, mit dem Auto drei Tage Wachau und nun den 3.. Und letzten Tag in Wien.
Doch für Inspirationen bin ich noch zu anämisch. Sonnen am Piratenstrand, zurückradeln über die Insel und vielleicht kommen die Ideen im Herbst.
Ich Grüße den Schizophrenisten und halte Ausschau nach einem Herrn im Klappstuhl 😁
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Freitag, 14. August 2026
Wer bist du?
c. fabry, 18:39h
Sie trat aus der Wohnung in den Hausflur und atmete tief durch. Der metallische Geruch hatte sich in ihrer Nase festgesetzt. „Ich muss an die Luft!“, dachte sie. „Erst einmal einen klaren Gedanken fassen, dann tun, was getan werden muss.“
Gestern noch hatten sie am Telefon gestritten. Wie immer machte er die Menschen, die Sozialleistungen bezogen für sein Elend verantwortlich, für die schmale Rente, die unzureichende medizinische Versorgung, den schlechten Zustand seiner Mietwohnung.
Ihre Gegenargumente verpufften im Feuer seiner Schuldzuweisungen. Die vermögenden Steuerverweigerer dagegen betrachtete er als seinesgleichen, schließlich hatte er sein Leben lang hart gearbeitet und nicht herumgelungert, wie dieser Abschaum.
Sie hatte es so satt, erreichte seinen sich verabschiedenden Verstand nicht und hatte überhaupt keine Lust mehr, in seine miefige Wohnung zu gehen und sich seinen übellaunigen Tiraden auszusetzen. Aber sie fühlte sich verantwortlich. Ihr Gewissen war stärker als ihr Unwille. Und nun war alles anders und sie war noch damit beschäftigt, das Gesehene einzuordnen und die angemessenen Schlussfolgerungen zu ziehen, sowie die daraus resultierenden Gefühle wahrzunehmen und zuzulassen.
Von oben waren Schritte zu hören, die näher kamen. Ein Fremder stieg die Stufen hinunter, jemand, der offenkundig nicht im Haus wohnte, denn sie kannte jede und jeden hier, niemand war umgezogen oder verstorben und sie alle bekamen in der Regel keinen Besuch, abgesehen von Kindern oder Enkelkindern und auch die kannte sie alle. Dieser hier war nicht nur fremd sondern befremdlich. Überhaupt nicht einzuordnen. Akkurat gekleidet, schlicht und unspektakulär, gut frisiert, glatt rasiert, jedoch mit einer unpassenden alten Plastiktüte in der Hand.
„Wer bist du?“, fragte sie den Unbekannten.
„Ich bin Albert Dreistein.“ antwortete er ruhig.
„Das ist dein Name.“, erwiderte sie. „Aber wer bist du?“
Er schwieg irritiert.
Sie insistierte: „Bist du ein Anführer oder ein Mitläufer? Das schwarze Schaf? Der Hofnarr? Der Liebling der Frauen oder der eklige Onkel?“
„Du stellst seltsame Fragen.“, antwortete er. „Wer bist DU denn?“
„Ich bin die Seltsame.“, antwortete sie. „Die, die die Welt nicht versteht und von ihr nicht verstanden wird.“
Er schüttelte den Kopf und ging wortlos an ihr vorbei. Aus der Tasche tropfte es zäh auf die Treppe.
„Deine Tasche tropft.“, rief sie ihm hinterher.
Er ging unbeirrt weiter. Sie folgte ihm ruhig und stetig. Als sie auf die Straße trat, sah sie ihn um eine Hausecke verschwinden. Danach nahm sie einen tiefen Atemzug, nahm das Mobiltelefon aus der Tasche und rief die Polizei an.
„Hier ist Daniela Klumpe. Jemand hat meinen Vater umgebracht. Ich habe ihn eben tot in seiner Wohnung aufgefunden. Fliederweg 11c, 2. Stock.“
Dann legte sie auf und schaltete das Mobiltelefon aus. Wenn sie jetzt Fragen stellten, würde sie alles falsch verstehen. Und sie würden ihre Antworten falsch verstehen. Und dann kamen die Probleme.
Sie ging zur Straßenbahn. Durch das Fenster erkannt sie in einem Café Albert Dreistein. „Seltsamer Name“, dachte sie. „Vielleicht hält er sich für das verkannte Genie, ist aber in Wirklichkeit der anstrengende Vetter, mit dem niemand etwas zu tun haben will.“
Er war ihrem Blick bereits entschwunden, als ihr die schäbige, tropfende Plastiktüte wieder einfiel. Sie seufzte. Sie würde umkehren müssen, und der Polizei davon erzählen.
https://fabry.blogger.de/stories/2917751/
Gestern noch hatten sie am Telefon gestritten. Wie immer machte er die Menschen, die Sozialleistungen bezogen für sein Elend verantwortlich, für die schmale Rente, die unzureichende medizinische Versorgung, den schlechten Zustand seiner Mietwohnung.
Ihre Gegenargumente verpufften im Feuer seiner Schuldzuweisungen. Die vermögenden Steuerverweigerer dagegen betrachtete er als seinesgleichen, schließlich hatte er sein Leben lang hart gearbeitet und nicht herumgelungert, wie dieser Abschaum.
Sie hatte es so satt, erreichte seinen sich verabschiedenden Verstand nicht und hatte überhaupt keine Lust mehr, in seine miefige Wohnung zu gehen und sich seinen übellaunigen Tiraden auszusetzen. Aber sie fühlte sich verantwortlich. Ihr Gewissen war stärker als ihr Unwille. Und nun war alles anders und sie war noch damit beschäftigt, das Gesehene einzuordnen und die angemessenen Schlussfolgerungen zu ziehen, sowie die daraus resultierenden Gefühle wahrzunehmen und zuzulassen.
Von oben waren Schritte zu hören, die näher kamen. Ein Fremder stieg die Stufen hinunter, jemand, der offenkundig nicht im Haus wohnte, denn sie kannte jede und jeden hier, niemand war umgezogen oder verstorben und sie alle bekamen in der Regel keinen Besuch, abgesehen von Kindern oder Enkelkindern und auch die kannte sie alle. Dieser hier war nicht nur fremd sondern befremdlich. Überhaupt nicht einzuordnen. Akkurat gekleidet, schlicht und unspektakulär, gut frisiert, glatt rasiert, jedoch mit einer unpassenden alten Plastiktüte in der Hand.
„Wer bist du?“, fragte sie den Unbekannten.
„Ich bin Albert Dreistein.“ antwortete er ruhig.
„Das ist dein Name.“, erwiderte sie. „Aber wer bist du?“
Er schwieg irritiert.
Sie insistierte: „Bist du ein Anführer oder ein Mitläufer? Das schwarze Schaf? Der Hofnarr? Der Liebling der Frauen oder der eklige Onkel?“
„Du stellst seltsame Fragen.“, antwortete er. „Wer bist DU denn?“
„Ich bin die Seltsame.“, antwortete sie. „Die, die die Welt nicht versteht und von ihr nicht verstanden wird.“
Er schüttelte den Kopf und ging wortlos an ihr vorbei. Aus der Tasche tropfte es zäh auf die Treppe.
„Deine Tasche tropft.“, rief sie ihm hinterher.
Er ging unbeirrt weiter. Sie folgte ihm ruhig und stetig. Als sie auf die Straße trat, sah sie ihn um eine Hausecke verschwinden. Danach nahm sie einen tiefen Atemzug, nahm das Mobiltelefon aus der Tasche und rief die Polizei an.
„Hier ist Daniela Klumpe. Jemand hat meinen Vater umgebracht. Ich habe ihn eben tot in seiner Wohnung aufgefunden. Fliederweg 11c, 2. Stock.“
Dann legte sie auf und schaltete das Mobiltelefon aus. Wenn sie jetzt Fragen stellten, würde sie alles falsch verstehen. Und sie würden ihre Antworten falsch verstehen. Und dann kamen die Probleme.
Sie ging zur Straßenbahn. Durch das Fenster erkannt sie in einem Café Albert Dreistein. „Seltsamer Name“, dachte sie. „Vielleicht hält er sich für das verkannte Genie, ist aber in Wirklichkeit der anstrengende Vetter, mit dem niemand etwas zu tun haben will.“
Er war ihrem Blick bereits entschwunden, als ihr die schäbige, tropfende Plastiktüte wieder einfiel. Sie seufzte. Sie würde umkehren müssen, und der Polizei davon erzählen.
https://fabry.blogger.de/stories/2917751/
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Freitag, 27. Februar 2026
2nd Spoiler 25
c. fabry, 14:25h
2000
Zu Beginn des neuen Jahrtausends erreichten Axels Depressionen ein Ausmaß, das Sigrid dazu veranlasste, erneut aktiv zu werden: „So geht es nicht weiter! Wenn es mit dem Therapeuten nicht geklappt hat, lag es vielleicht daran, dass es der falsche war, so etwas kommt vor. Dann musst du eben einen anderen Therapeuten aufsuchen.“
„Das schaffe ich nicht.“, erwiderte Axel. „Erst dieses komplizierte Herumtelefonieren und dann ist es vielleicht wieder einer, der mich nicht versteht.“
„Vielleicht aber auch nicht.“
„Sigrid, das ist doch alles sinnlos. Ich bin eine Pfeife. Ich war immer eine Pfeife und das ändert auch kein Gequatsche beim Psychologen. Die Welt wäre besser dran ohne mich.“
„Das wäre sie nicht! Ich wäre kreuzunglücklich ohne dich!“
„Das sagst du doch nur so. Und jetzt lass mich ausruhen. Ich bin so müde.“
Sigrids Sorge um das Leben ihres Mannes war größer als der Respekt vor seinem Willen. Sie rief in der Hausarztpraxis an und bat um Hilfe. Die verwiesen ihn an den sozialpsychiatrischen Krisendienst und am Ende stand eine Einweisung ihres Mannes in eine psychiatrische Klinik. Er war nicht einmal ärgerlich, fügte sich in sein Schicksal wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird oder wie ein reuiger Straftäter, der sich ergit und der Verhaftung nicht widersetzt.
Sigrid fühlte sich hundeelend, doch sie beruhigte ihr Gewissen damit, dass sie das einzig Richtige getan hatte, um das Leben ihres Mannes zu retten und zu verbessern.
Es folgte eine schwierige Zeit, denn das Klinikpersonal brauchte lange, um zu dem schwer depressiven Patienten durchzudringen. Er wurde zunächst mit hohen Dosen von Medikamenten ruhig gestellt, sodass kein therapeutisches Gespräch möglich war. Sigrid erkannte ihn kaum wieder, wie er sich mit starrem Blick in vorsichtig, winzigen Trippelschritten bewegte und rhythmisch nach Luft schnappte. Es gelang ihr kaum, die Tränen zurückzuhalten. Sie verlor jedes Zeitgefühl, funktionierte wie ferngesteuert, bewältigte die anfallende Arbeit im Gasthof und besuchte täglich ihren kranken Mann, dessen erbärmlicher Zustand scheinbar stagnierte.
Aber eines Tages kam Bewegung in den Aufenthalt: Sein Blick wurde etwas klarer und er berichtete von einem ersten Gespräch, das ihm gut getan hatte. Nach einem halben Jahr war er so weit stabilisiert, dass er die Gesprächstherapie ambulant fortsetzen konnte, bei einem Psychologen, der ihn zwar herausforderte, aber erkennbar uneingeschränkt auf seiner Seite war. Sigrid war froh, ihren Mann wieder bei sich zu haben und zu erleben, wie es ihm stetig besser ging. Und Axel war unendlich dankbar für ihren großen Mut.
Zu Beginn des neuen Jahrtausends erreichten Axels Depressionen ein Ausmaß, das Sigrid dazu veranlasste, erneut aktiv zu werden: „So geht es nicht weiter! Wenn es mit dem Therapeuten nicht geklappt hat, lag es vielleicht daran, dass es der falsche war, so etwas kommt vor. Dann musst du eben einen anderen Therapeuten aufsuchen.“
„Das schaffe ich nicht.“, erwiderte Axel. „Erst dieses komplizierte Herumtelefonieren und dann ist es vielleicht wieder einer, der mich nicht versteht.“
„Vielleicht aber auch nicht.“
„Sigrid, das ist doch alles sinnlos. Ich bin eine Pfeife. Ich war immer eine Pfeife und das ändert auch kein Gequatsche beim Psychologen. Die Welt wäre besser dran ohne mich.“
„Das wäre sie nicht! Ich wäre kreuzunglücklich ohne dich!“
„Das sagst du doch nur so. Und jetzt lass mich ausruhen. Ich bin so müde.“
Sigrids Sorge um das Leben ihres Mannes war größer als der Respekt vor seinem Willen. Sie rief in der Hausarztpraxis an und bat um Hilfe. Die verwiesen ihn an den sozialpsychiatrischen Krisendienst und am Ende stand eine Einweisung ihres Mannes in eine psychiatrische Klinik. Er war nicht einmal ärgerlich, fügte sich in sein Schicksal wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird oder wie ein reuiger Straftäter, der sich ergit und der Verhaftung nicht widersetzt.
Sigrid fühlte sich hundeelend, doch sie beruhigte ihr Gewissen damit, dass sie das einzig Richtige getan hatte, um das Leben ihres Mannes zu retten und zu verbessern.
Es folgte eine schwierige Zeit, denn das Klinikpersonal brauchte lange, um zu dem schwer depressiven Patienten durchzudringen. Er wurde zunächst mit hohen Dosen von Medikamenten ruhig gestellt, sodass kein therapeutisches Gespräch möglich war. Sigrid erkannte ihn kaum wieder, wie er sich mit starrem Blick in vorsichtig, winzigen Trippelschritten bewegte und rhythmisch nach Luft schnappte. Es gelang ihr kaum, die Tränen zurückzuhalten. Sie verlor jedes Zeitgefühl, funktionierte wie ferngesteuert, bewältigte die anfallende Arbeit im Gasthof und besuchte täglich ihren kranken Mann, dessen erbärmlicher Zustand scheinbar stagnierte.
Aber eines Tages kam Bewegung in den Aufenthalt: Sein Blick wurde etwas klarer und er berichtete von einem ersten Gespräch, das ihm gut getan hatte. Nach einem halben Jahr war er so weit stabilisiert, dass er die Gesprächstherapie ambulant fortsetzen konnte, bei einem Psychologen, der ihn zwar herausforderte, aber erkennbar uneingeschränkt auf seiner Seite war. Sigrid war froh, ihren Mann wieder bei sich zu haben und zu erleben, wie es ihm stetig besser ging. Und Axel war unendlich dankbar für ihren großen Mut.
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Montag, 8. Dezember 2025
Erweiterter Suizid – für den kleinen dystopischen Krimihunger zwischendurch
c. fabry, 09:25h
Die Wahrheit, die keinen Zweifel zulässt, tötete zuerst den Verstand, dann die Vielfalt und schließlich sich selbst. Sie war ein viel zu leichtes Opfer.
Die Staatsanwaltschaft schloss die Akte und wurde von den Schergen der Folgeregierung abgeführt. „Wenn Gott dir eine Tür zuschlägt, öffnet er dir ein Fenster.“, versuchte die Staatsanwaltschaft sich selbst Mut zuzuflüstern.
Es gab keine Fenster.
Nur Wände, Kälte und Dunkelheit.
Die Staatsanwaltschaft schloss die Akte und wurde von den Schergen der Folgeregierung abgeführt. „Wenn Gott dir eine Tür zuschlägt, öffnet er dir ein Fenster.“, versuchte die Staatsanwaltschaft sich selbst Mut zuzuflüstern.
Es gab keine Fenster.
Nur Wände, Kälte und Dunkelheit.
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