Freitag, 21. September 2018
Zwergenaufstand – ein krimifantastischer Vierteiler – Teil 3
Überall standen Fläschchen und andere Glaskörper herum, aufwändige Konstruktionen von Kolben und Röhrchen mit großen blauen Flammen darunter und überall zischte und brodelte es. Zwei Riesen in weißen Kitteln waren emsig damit beschäftigt, Pülverchen zusammenzurühren, Flüssigkeiten einzufüllen und abzuzapfen, Fläschchen zu etikettieren und Dinge in Bücher zu schreiben. Rolo versteckte sich in einer dunklen Ecke und wartete bis zum Abend, als die Riesen das Labor schließlich verließen. Er nutzte die gesamte Nacht, um alles genauestens in Augenschein zu nehmen. Am Ende war ihm klar, was hier gebraut wurde: Es waren Gifte, die die Riesen den Zwergen in die Fertignahrung mischten, davon veränderten sich ihre Gehirne. Sie wurden gleichzeitig gierig und ängstlich. Sie bekamen schreckliche Angst vor allem Unbekannten und noch größere Angst, im Leben zu kurz zu kommen, nicht genug abzubekommen, sie wurden nicht mehr satt und zufrieden – und sie verloren ihre Farbe. Die weißen Zwerge waren total vollgepumpt mit den Giften. Im Zwuselland aß man noch meistenteils das eigene Gemüse und Fleisch von selbst gezüchteten Tieren. Nur wenige liebten die Industrienahrung aus Zworderos.
Aber unter den zugereisten, bunten Zwergen schien es auch Vergiftungserscheinungen zu geben, denn sie konnten sich ja nicht selbst versorgen und mussten das Gift der Riesen genauso essen. Aber sie wurden nicht weiß wie die Giftzwerge aus Zworderos. Statt der Farbe verloren sie ihre Form. Alles Weiche und Runde an ihnen wurde hart und kantig, spitz und scharf. Sie wollten nur noch töten und verletzen, das Denken und Einfühlen hatten sie auch abgestellt. Sie waren die schärfsten Feinde der weißen Zwerge. Nun konnte man meinen, man müsse nur abwarten, dass sie sich gegenseitig auslöschten, aber das funktionierte nicht, denn die farbigen Giftzwerge hatten schadhafte Augen und verwechselten helle Regenbogenzwerge mit weißen Zwergen.
Nun musste Rolo nur noch herausbekommen, warum die Riesen die Zwerge vergifteten. Was hatten sie davon?

Als am Morgen die Weißkittel zurückkehrten, schlich Rolo sich durch die Tür in die höheren Etagen des Gebäudes. In einem großen Saal gingen Riesen ein und aus, stopften sich mit Essen voll, führten Gespräche und taten was auch immer. Sie aßen so gierig, dass immer etwas herunter fiel, für Rolo waren das immer noch große Brocken und er konnte sich eine Weile hier einquartieren, um herauszufinden, was sie trieben und am Ende zu verstehen, warum sie so handelten, wie sie es taten.
Er blieb einen ganzen Monat dort. Essen und Trinken gab es reichlich, versteckte Winkel, in denen er sich verborgen halten konnte, waren ebenfalls vorhanden. Nachts schlief er auf den weichen Polstern und sein Geschäft verrichtete er in den Futternäpfen, die die Riesen überall für ihre Hunde aufgestellt hatten. Als der Mond sich einmal gefüllt und wieder geleert hatte, besaß er genug Informationen.
Die Riesen hier waren nicht etwa diejenigen, die die Geschicke des Landes führten. Von denen tauchten nur vereinzelt welche auf und sie wurden nur geduldet, gehörten nicht wirklich dazu und wenn sich einer zu viel heraus nahm, warfen die Hiesigen ihn achtkantig heraus. Diese Riesen interessierten sich eigentlich gar nicht für die Zwerge, weder für die bunten noch für die weißen und auch das Leid, das sie mit ihrer Giftattacke verbreiteten, war ihnen vollkommen egal. Sie hatten nur zwei wesentliche Ziele, die sie unbeirrt verfolgten:
Die Sicherung ihres persönlichen Komforts und die Befriedigung ihres Spieltriebs. Für sie war die Welt ein Fantasy-Brettspiel und die Zwerge waren ihre Spielfiguren. Sie waren große Kinder, diese Riesen, die sich standhaft weigerten, erwachsen zu werden. Man musste die Monster aufhalten.
Aber Rolo konnte sie nicht besiegen, jedenfalls nicht allein, auch nicht allein mit den Regenbogenzwergen, die noch übrig waren. Sie waren zu wenige, sie brauchten Verstärkung. Man musste die weißen Giftzwerge entgiften, dass sie wieder Farbe bekamen. Man musste ihre Angst besiegen, ihre erkalteten Herzen erwärmen und – das war das allerschwerste – man musste sie lieben, die Giftzwerge, um ihre Gier zu vertreiben. Das war unmöglich, aber er musste das Unmögliche schaffen.
Wie hatte es der alte Ohm formuliert? „Schleiche dich an Einzelne heran, immer schön einer nach dem anderen, still und leise.“

Fortsetzung folgt am kommenden Freitag

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Freitag, 14. September 2018
Zwergenaufstand – ein krimifantastischer Vierteiler – Teil 2
Rolo entdeckte ihn an der Honighalle. Er war aufgedunsen wie ein Klops und so weiß, dass man geneigt war, eine Sonnenbrille aufzusetzen, wenn man ihn ansehen wollte. Wenn man ihn denn ansehen wollte, denn er war so entsetzlich hässlich, dass Rolos Gefühle zwischen Abscheu und tiefstem Mitleid hin und her pendelten. Er trug eine Fahne mit sich herum, darauf stand in großen, altmodischen Lettern: Weißland den Weißen.
Rolo gab sich naiv und unschuldig, als er den weißen Zwerg fragte: „Wo ist denn Weißland?“
„Na hie', du Wanze.“, antwortete der Giftzwerg.
„Aber hier ist doch Zworderos.“
„Wenn wi' mit den Zu'ezo'enen fetich sin', is' hier wieder Weißlan'.“
Der kann ja nicht einmal richtig sprechen – dachte Rolo erschüttert.
„Wann seid ihr denn mit den Zugezogenen fertig?“, fragte Rolo weiter nach.
„Wenn die alle ve'schwunnen sin'.“
„Warum sollen die denn verschwinden?“
„Bissu schwul oder was? Weil die Scheiße sin'. Die ham mein Kam'raden paltt 'emacht. Ich will Rache.“
Mit zitternden Händen zählte der debile Giftzwerg sein Kleingeld und musste immer wieder von vorn anfangen.
„Komm, Kamerad“, sagte Rolo, „Ich lad' dich ein.“ Er ging in die Honighalle und kaufte ein Fässchen Met für den Giftzwerg. Dieses Exemplar konnte man nicht mehr retten, nur ruhigstellen und dabei unterstützen, wie er sich ins Grab trank, so traurig das war. Keiner konnte ihn gebrauchen und vermutlich hatte ihn auch niemand gern. Er hatte seinen wahrscheinlich einzigen Freund verloren, er hatte Angst vor den eingewanderten Zwergen aus anderen Ländern, weil sie ihm oder seinen Kameraden etwas angetan hatten. Rolo verstand, dass ein Zwerg mit geringem Verstand zu keiner anderen Schlussfolgerung gelangen konnte. Eine Katze hätte das auch nicht gekonnt.

Er zog zum nächsten Ort und machte Rast in einem Wirtshaus. Am Nebentisch saß ein alter, weißer Giftzwerg und aß eine Schweinshaxe. Die hatte er auch bitter nötig, denn er war klein, schwach und krumm. Er schimpfte lautstark über das bunte Gesindel, als sein Blick schließlich auf den jungen, gesunden, kräftigen Rolo fiel.
„Nichts für ungut, Gelber.“, sagte er zu Rolo „Ich habe grundsätzlich nichts gegen Farben. Helle Farben sind ja ganz schön, die leuchten besonders auf weißem Grund. Es sind die dunklen Farben, die ich nicht ausstehen kann, die passen einfach nicht zu uns. Die blauen, roten und grünen Zwerge sollen dahin zurück ziehen, wo sie her gekommen sind. Da passen sie in die Landschaft, aber hier beißen sich ihre Farben mit denen, die hier hingehören. Sie mischen sich mit unseren Frauen und was kommt dann dabei heraus? Lauter verwaschene Kinder, die so schmuddelig aussehen, dass sie niemals leuchten können. Die müssen weg, die dunklen Zwerge, die wollen wir hier nicht.“
„Ich glaube“, sagte Rolo, „Nach der Haxe brauchst du erst einmal einen ordentlichen Schnaps zur Verdauung.“
Er bestellte dem Giftzwerg eine ganze Flasche und brachte ihn dazu, einen nach dem anderen zu kippen: auf die Vertreibung der dunklen Zwerge, auf alles Helle und Schöne, auf Schweinhaxen bis zum Abwinken und auf den Endsieg der weißen Zwerge. Am Ende schlief der Alte am Tisch ein und Rolo hoffte, dass er nie wieder aufwachte. Die Abscheu gegen alle kräftigen Farben hatte sich so tief in die Seele das alten Giftzwergs gebrannt, da war nichts mehr rückgängig zu machen, das musste sogar Rolo einsehen. Dieser hier hatte also Angst davor, dass seine gewohnte Umgebung sich veränderte, dass die Dinge nicht mehr so aussahen wie in seiner Kindheit. Eine seltsame Art, die Welt zu sehen, aber davon gab es sicher eine ganze Menge.

Rolo wanderte weiter und suchte sich ein Gasthaus für die Nacht. Jetzt, wo es langsam dunkel wurde, sah man immer mehr weiße Zwerge auf den Straßen und kaum noch bunte. Sie sahen aus wie Gespenster, die Giftzwerge und Rolo spürte die gleiche Angst vor den Weißen in sich aufsteigen, die diese vermutlich vor den Bunten hatten.
Im Gasthof saß eine Gruppe Giftzwerge zusammen und trank Met. Den Anführer machte Rolo sofort aus. Er hatte eiskalte Augen und sah so aus, als hätte irgendetwas ihm die Seele ausgesaugt. Er verzog keine Miene, sein Blick bohrte sich in Rolos Kopf und er sprach wie eine Maschine: „Die Dunklen nehmen unsere Frauen weg und mischen sich mit ihnen. Da kommen dann nichts als graubraune Bastarde raus, lauter Taugenichtse, die dauernd krank sind und nicht arbeiten können. Die müssen weg. Außerdem reicht es nicht für alle in Weißland, wenn von überall her die Bunten hier einfallen, die Felder leer fressen, die besten Höhlen besetzen und sich in unsere Ratsversammlungen schleichen, um irgendwann die Macht zu übernehmen. Denn die Zugezogenen sehen auch, dass es nicht für alle reicht, darum wollen sie uns verdrängen. Sie vermehren sich wie die Karnickel, bis sie irgendwann in der Mehrheit sind und dann versklaven sie uns. Wehret den Anfängen! Wir werden sie jagen, werden uns unser Land zurück erobern. Weißland für immer weiß!
„Weißland für immer weiß!“, antwortete die Gruppe brüllend und alle nahmen einen Schluck von ihrem Met.
Rolo hatte plötzlich eine ausgezeichnete Idee.
„Ihr müsst sie einzeln aufspüren.“, sagte er. Einen nach dem anderen verschwinden lassen, so dass der Rest gar nichts merkt.“
„Schlau.“, sagte einer der Giftzwerge. „So weit sind wir auch schon.“
„Ja, aber wisst ihr denn auch, dass in den alten Futhark-Höhlen draußen vor der Stadt ganze Sippen von Eingewanderten hausen? Ihr könntet einen nach dem anderen raus locken und dann mit ihm tun, was ihr für richtig haltet.“
„Was hieltest du denn für richtig?“, fragte der Anführer voller Argwohn.
„Zerhacken.“ antwortete Rolo mit vorgetäuschter Herzenskälte. „In den Boden rammen, verbrennen, zerschmettern, ertränken, häuten, was auch immer euch einfällt. Irgendwie müsst ihr sie ja kaputt kriegen.“
Die Giftzwerge klopften begeistert auf den Tisch.
„In die Futhark-Höhlen hat seit Jahren niemand einen Fuß gesetzt.“, sagte der Anführer. „Man sagt, sie seien verflucht. Aber wenn das stimmt, was du sagst, warum sollten wir sie einzeln herausholen? In den Höhlen können wir sie doch einfach ausräuchern.“
Wieder klopften die weißen Zwerge begeistert auf den Tisch und Rolo wünschte allseits gute Nacht. Er wusste dass die Futhark-Höhlen voller Wespennester waren. Wenn die Giftzwerge dort Rauch einleiteten, würden sie ihr schwarz-gelbes Wunder erleben.

Am nächsten Morgen führten Rolos Schritte ihn in die Hauptstadt von Zworderos. Hier wohnten die Riesen, die über das ganze Land herrschten, nicht nur über Zworderos, ihre Arme reichten bis ins Zwuselland, man spürte das immer dann, wenn sich etwas änderte, was kein einziger Regenbogenzwerg wollte, trotzdem geschah es einfach so. Die Häuser der Riesen waren strahlend weiß, nur die Fenster und Türrahmen waren in dezenten Pastelltönen gestrichen. Nirgendwo gewährte man Rolo Einlass und er fragte sich, warum die Riesen sich derartig gegen die Zwerge abschotteten, wo sie bei ihrer Größe und Macht doch eigentlich nichts von ihnen zu befürchten hatten. Doch dann entdeckte er eine Maueröffnung, um die sich niemand gekümmert hatte, ein kleines Fenster, durch das kein Riese sich hätte zwängen können, auch nicht der fette, weiße Giftzwerg, der vor der Honighalle gestanden hatte, aber der schlanke, wendige, dottergelbe Rolo, der kam hinein und was er dort entdeckte, verschlug ihm die Sprache.

Fortsetzung folgt am kommenden Freitag

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Freitag, 7. September 2018
Zwergenaufstand – ein krimifantastischer Vierteiler – Teil 1
Es geschah zu der Zeit im Lande Zworderos, als die weißen Giftzwerge wieder aus ihren Erdlöchern krochen und Angst und Schrecken verbreiteten, wie es seit jeher ihre Art gewesen war, als Rolo der Dottergelbe sich mit seinem alten Ohm besprach, wieso das alles geschah und was man dagegen unternehmen könne.
„Wo kommen die auf einmal alle her?“, fragte Rolo.
„Die waren die ganze Zeit da.“, antwortete der Ohm. „Normalerweise sieht man sie nicht, weil sie sich in ihren Löchern verkriechen, fernab der Sonne, darum sind sie auch so weiß.“
„Aber warum verkriechen sie sich?“
„Weil sie Angst haben. Und weil sie sich die meiste Zeit verkriechen, wird ihre Angst immer größer. Die Welt außerhalb ihrer Löcher wirkt übermächtig und lebensgefährlich auf sie, weil sie praktisch nichts kennen, was außerhalb ihrer Erdhöhlen liegt. Es ist ein Teufelskreis, aus dem sie nicht mehr heraus kommen.“
„Wie sind sie da hineingeraten?“
„Keine Ahnung. Die weißen Giftzwerge waren schon immer so, seit Zwergengedenken. Das wird von Generation zu Generation weitergegeben. Die haben das im Blut.“
„Aber wie kann man sie aus diesem Teufelskreis herausholen?“
„Indem man ihr Leiden beendet.“
„Wie bitte?“
„Na, du musst sie zerhacken, in den Boden rammen, verbrennen, zerschmettern, ertränken, häuten, was auch immer dir einfällt. Anders sind sie nicht kaputt zu kriegen.“
„Aber muss man sie gleich töten? Man könnte sie doch auch umerziehen.“
Der Ohm brach in schallendes Gelächter aus und sagte dann: „Eher rauche ich 'ne Camel durchs Nadelöhr, als dass ich einen Reichen in mein Himmelbett lasse und eher wird ein Riese zum Zwerg, als dass ein weißer Giftzwerg ein bunter Wunderzwerg wird. Die Torheit deiner Jugend vernebelt dir die Sinne. Zieh lieber los und mach so viele platt, wie du kannst.“
„Was schlägst du vor? Soll ich den Ring der Macht ins Feuer schmeißen oder Schwerter aus valyrischem Stahl in ihre kalten Herzen rammen?“
„Du hast zu viele Fantasy-Romane gelesen. Da hilft keine Magie, nur List und Tücke. Suche nach ihnen, schleiche dich an einzelne heran, immer schön einer nach dem anderen, still und leise. Die Giftzwerge sind so dumm; bis die merken, dass ihre Reihen sich lichten, sind sie schon so geschwächt, dass wir mit einem gezielten Überfall den Rest erledigen können.“

Schweren Herzens machte Rolo der Dottergelbe sich auf den Weg, mit nichts im Gepäck als seinem mäßigen Verstand, einem kleinen bisschen Mut und einer gigantischen Sehnsucht nach Frieden und Fröhlichkeit. Er liebte das bunte Zwuselland, selbst wenn auch hier bei weitem nicht alles zum besten stand, aber dafür waren die Regenbogenzwerge ja bunt und so verschieden in ihren Gaben, dass sie sich gemeinsam jeder noch so schweren Aufgabe stellten und vieles schöner und besser machten, als es vorher war.
Die weißen Giftzwerge entfärbten alles um sich herum. Mit ihnen verschwand die Freude aus der Welt, das Lachen, die Leichtigkeit, die Liebe, der Genuss und vor allem die Farben.

Es dauerte viele Tagesmärsche, bis er auf die ersten Erdhöhlen stieß. Dass es auch überall im Zwuselland weiße Giftzwerge gab, war ihm gar nicht aufgefallen, sie versteckten sich dort meistens, und wenn sie aus den Löchern kamen, verkleideten sie sich so geschickt als Regenbogenzwerge, dass man sich schon länger mit ihnen unterhalten musste, um sie zu entlarven. Er entschloss sich, den ersten, den er erwischte, nicht zu töten, sondern auszufragen, denn er musste unbedingt hinter das Geheimnis kommen, wie sie sich so rasant vermehrten, damit er dieses Unglück aufhalten konnte.

Fortsetzung folgt am kommenden Freitag

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Freitag, 31. August 2018
Rasierklingenmorde - abgeschlossener Kurzkrimi
„Der Rasierklingenmörder hat wieder zugeschlagen.“, begrüßt Keller seine junge Kollegin.
„Und diesmal?“
„Wieder ein Mann Anfang vierzig. Ebenfalls aus dem Freundeskreis der ersten drei Opfer. Holger Klapp heißt er.“
„Hat er Familie?“
„Frau und zwei Kinder.“
„Wie schrecklich! - Und wieder keine Spuren?“
„Nur die Klinge und der saubere Schnitt durch die Aorta.“
„Wo hat man ihn gefunden?“
„In seinem Gartenhäuschen. Seine Frau ist in der Nacht nach Hause gekommen, die Kinder waren zum Übernachten bei den Großeltern.“
„Zum Glück.“
„Ja, aber auch irgendwie verdächtig. Als hätte die Ehefrau das geplant.“
„Haben Sie schon mit ihr gesprochen?“
„Nein. Die ist noch völlig außer sich.“

Zehn Tage zuvor:
„Hallo Schnitzel.“
„Kennen wir uns?“
„Sicher tun wir das. Ich dachte, es ist zuerst das Kurzzeitgedächtnis, das bei Demenz nachlässt, aber vielleicht läuft das bei Alkoholismus auch genau anders herum, ich bin da nicht im Thema.“
„Wieso Alkoholismus?“
„Sagtest Du nicht immer, Bier sei deine Kuscheldecke und Jägermeister dein Kaminfeuer?“
„Anja?“
„Oh, hast Du am Ende doch eine Erinnerung aus den hintersten Winkeln ausgegraben?“
„Wir haben uns ewig nicht gesehen.“
„Sind noch keine zwanzig Jahre.“
„Aber fast. Was machst du denn jetzt so?“
„Ich bin unter die Hobby-Züchterinnen gegangen.“
„Karnickel?“
„Nee, Menschen.“
Schnitzel lacht laut, so dröhnend und ungeniert wie vor zwanzig Jahren.
„Hast Du etwa mehr Kinder als ich?“
„Wieso? Wie viele hast du denn?“
„Zwei Töchter.“
„Das ist gut. Ist da noch mehr geplant?“
„Nein. Unsere Familienplanung ist abgeschlossen.“
„Keine Söhne mehr?“
„Zumindest nicht von meiner Frau.“ Schnitzel lacht wieder laut. „Die hat sich sterilisieren lassen.“
„Und du nicht?“
„Nee, wozu denn?“
„Damit du im Falle eines Seitensprungs keine böse Überraschung erlebst.“
„Wieso böse Überraschung? Second Life.“ Schnitzel lacht wieder laut und dreckig.
„Nein.“, sagt Anja entschieden. „Du sollst keine Söhne zeugen.“ Blitzschnell fahren ihre Fingerspitzen über Schnitzels Hals. Ungläubig starrt er sie an und presst instinktiv seine Hand auf die Vene. Ein „Warum?“, entfährt ihm noch, bevor er die Augen verdrehend zu Boden sinkt. Obwohl er es vermutlich nicht mehr hören kann, gibt sie ihm die erbetene Erklärung: „Du hast sogar die gedemütigt, die du geliebt hast. Was tust du erst mit solchen, die dir egal sind und mit denen, die du hasst? Jeder Sohn, den du in die Welt gesetzt hättest, wäre genauso grob und unsensibel geworden wie du. Du bist mieses Zuchtmaterial, so etwas wird aussortiert, da machen sogar die Hobbyzüchter kurzen Prozess.“

Drei Tage später:
„Verdammte Scheiße, bin ich fett geworden.“, flucht Philipp leise vor sich hin und betrachtet den billigen schwarzen Anzug im Spiegel der unvorteilhaft ausgeleuchteten Umkleidekabine. Der Hochzeitsanzug hat noch vieles kaschiert, darin hat er eine erstklassige Figur gemacht, aber das ist zehn Jahre her und das Ding ist zu eng geworden. Er hat aber auch keine Lust, sich wieder so ein teures Stück zuzulegen, nur für eine Beerdigung, nicht einmal für Schnitzel, der war ohnehin mehr Klappes Freund als seiner. Plötzlich vernimmt er eine weibliche Stimme hinter sich: „Probier doch den mal, Kiesel. Der sieht nicht so trashig aus, liegt aber im gleichen Preissegment.“
Erschrocken fährt er herum und erkennt die Frau, die ihm einen Anzug entgegenhält.
„Anja. Was machst du denn hier?“
„Typberatung.“, antwortet sie gelassen. „Den Müllsack da solltest du schleunigst ausziehen. Komm, ich helf dir.“
Schon ist sie in der Kabine und zieht den Vorhang wieder zu.
„Hallo?“, ruft Philipp mit einer Mischung aus Überraschung und Entrüstung. „Das kann ich wohl noch alleine."
„Ich helfe dir ja auch nicht beim Umziehen, sondern beim Ausziehen. Ich will nur verhindern, dass du Söhne in die Welt setzt.“
„Hä?“
„Ja, die hellste Kerze auf der Torte warst du noch nie. Pass mal auf. Obwohl du weißt, wie gesundheitsschädlich das für Deine Frau ist, lässt du sie jahrein jahraus die scheiß Pille schlucken, nur damit du dich nicht mit dem Thema Empfängnisverhütung beschäftigen musst. Dann durfte sie mal eine Weile aussetzen, damit ihr ein Töchterchen in die Welt setzen konntet und jetzt weiß ich nicht, ob sie schon wieder Hormone einwirft oder ob sie bisher einfach nicht schwanger geworden ist. Nicht auszudenken, wenn sie am Ende deinen Sohn zur Welt brächte.“
„Wieso das denn?“
„Weil du kein Mitgefühl für Frauen hast, Kiesel. Du bist nur empathisch für Männer und auch nur für solche, die so ähnlich ticken wie du. Egal was Männer Frauen antun, die Schlimmsten von ihnen nimmst du vorzugsweise in Schutz. Aus deiner damals vielversprechenden, wunderschönen, klugen Freundin hast du eine degenerierte, unzufriedene Ehefrau gemacht. Ich erlaube dir nicht, auch noch deine Tochter zu versauen und erst recht nicht, eine Blaupause von dir anzufertigen. Und jetzt helfe ich dir beim Ausziehen.“
„Was soll das?“
„Oh, ich bin nicht scharf auf deinen weißen, weichen Körper, ich helfe deiner Seele beim Auzug aus demselben.“
Und mit einer reflexartigen Bewegung schnellt die Klinge über seinen Hals. Kiesel versucht, zu schreien, aber sie hat ihm die Kehle durchgeschnitten. Nahezu lautlos sackt er zusammen und niemandem fällt auf, dass das androgyne Wesen, das aus einer der Umkleiden heraus tritt, gar kein Mann ist.

Drei Tage später:
„So ein Scheißtag heute.“, denkt Oliver und hadert zum hundertsten Mal mit seinem Schicksal. Drei Lehren hat er abgebrochen und ist am Ende in dem Beruf gelandet, der ihm seines Namens wegen wohl vorherbestimmt war: Gärtner. So viele blöde Witze hat er sich seitdem anhören müssen, aber wenigstens hat er bei der Arbeit meistens seine Ruhe. Seit fünfundzwanzig Jahren gehen ihm eigentlich alle auf den Sack. Nüchtern kann er sich gerade noch so zusammenreißen, aber wenn es Abend wird und die düsteren Gedanken Besitz von ihm ergreifen, dann braucht er was zum Abschalten und wenn er dann einfach seine Ruhe hat, gleitet er sanft vor dem Fernseher in eine schmerzfreie Parallelwelt und von da aus direkt in den Schlaf. Wenn es gut läuft, wird er noch einmal kurz wach und schleppt sich ins Bett, oft wacht er jedoch morgens auf dem Sofa auf, wenn der Wecker im Schlafzimmer schon von Alarm auf akustischen Terror umgestellt hat.
Wenn er sich ausnahmsweise nötigen lässt, unter Leute zu gehen, endet es oft damit, dass er seinem Herzen Luft macht. Die anerzogene Hemmschwelle sinkt mit jedem Bier weiter Richtung Nullpunkt und wer ihm dann quer kommt, kriegt seinen ganzen Lebensfrust in geballter Ladung um die Ohren gehauen. Darum werden Einladungen auch immer seltener. Oliver ist das ganz recht. Jetzt nur noch den Spaten und die Hacke sauber machen und zurück in die Firma, stempeln und dann nichts wie nach Hause.
„Na Olli? Baum gepflanzt?“, spricht ihn eine vertraute weibliche Stimme an, die er aber nicht sofort zuordnen kann. Beim Blick in das dazu gehörige, von tiefen Falten durchzogene Gesicht muss er einen Augenblick überlegen, dann erkennt er sie:
„Anja. Wieso gehst du hier im Park spazieren? Hast du dich verlaufen oder bist du umgezogen?“
„Nichts von beidem. Ich kontrolliere nur, ob du das auch alles richtig machst.“
Olli kichert. Anja konnte er immer gut leiden, das heißt, es gab auch eine Zeit, da war er nicht so gut auf sie zu sprechen, da hatte sie seinen Kumpel Deutschmade gedisst, nur weil sie ihn hässlich fand. Auch wenn er im Suff vielleicht mal seine Hände nicht bei sich behalten konnte und sie damals noch ziemlich jung war, durfte man von einer Sozialarbeiterin doch wohl erwarten, dass sie pädagogischer reagierte, vor allem von einer, die bei der Evangelischen Jugend tätig war. Davon abgesehen findet er sie aber immer noch ganz in Ordnung.
„Is' mir egal, ob alles richtig ist.“, antwortet er. „Ich mach jetzt Feierabend und das ist auf jeden Fall richtig. Und es waren acht Bäume, die ich heute gepflanzt habe.“
„Eichen?“
„Nee, Ahorn.“
„Und wie viele Söhne willst du noch zeugen?“
„Söhne zeugen?“, Olli kichert verlegen. „Wie soll das denn gehen. Hast du noch nicht gehört, dass Inga ausgezogen ist?“
„Doch sicher. Wie lange wart ihr zusammen?“
„Achtzehn Jahre.“
„Na, immerhin habt ihr keine Kinder, die jetzt darunter leiden müssen.“
„Nee. Inga hat die Pille genommen. Kinder hätte ich auch gar nicht ausgehalten.“
„Und was hast du unternommen, damit Inga nicht schwanger wird?“
„Wieso? Musste ich ja nichts unternehmen, wenn sie doch die Pille nimmt.“
„Ja, angestrengt hast du dich noch nie so gerne, Olli. Dich mussten alle anderen immer nur aushalten. Aber überleg mal. Was, wenn du als nächstes an eine gerätst, die genauso drauf ist wie du? Vielleicht ist die zu schlampig beim Pille Schlucken und dann kriegt sie am Ende doch ein Kind von dir, einen Sohn, der genauso wird wie du. Du bist immer nur passiv gewesen. Nur im Suff rastest du aus, aber groß gerissen hast du damit auch noch nichts. Der einzige, für den du dich ins Zeug gelegt hast, war Deutschmade. Den hast du immer in Schutz genommen, wenn er mal wieder über die Stränge geschlagen hat, war ja auch kein Problem für dich, deine Freundin hat er schließlich nicht angepackt, du warst ja sein Kumpel.“
Olli verdreht genervt die Augen.
„Mensch, Anja, das ist so lange her. Jetzt lass mich mal Feierabend machen. Über Deutschmade musst du dich ja auch nicht mehr aufregen, der guckt sich ja längst die Radieschen von unten an.“
„Ja.“, antwortet Anja kalt. „Genauso wie Schnitzel und Kiesel.“
Sie sieht, wie die Erkenntnis in Ollis Schädel einzieht, jetzt muss sie schnell handeln. Der Park ist menschenleer, das Wetter alles andere als zum Spaziergang einladend. Routiniert vollzieht sie den Schnitt zum dritten Mal. Ein Seufzer des Bedauerns entfährt ihren Lippen, als sie Olli blutend zusammensacken sieht. „Du hattest echt das Zeug zu einem richtig netten Kerl.“, sagt sie. „Hattest vielleicht einfach nur den falschen Umgang.“

Drei Tage später
Veronika feiert den Junggesellinnen-Abschied einer Kollegin. Die Kinder sind bei den Großeltern. Eigentlich ein willkommener Anlass all das zu tun, wozu man gerade Lust hat. Aber es läuft kein Fußball und der übliche Männerabend, den er in so einem Fall gern bei sich zu Hause veranstaltet, kann in der gewohnten Form nicht mehr stattfinden. Schnitzel, Kiesel und sogar Olli – alle weg. Innerhalb von nicht einmal zehn Tagen. Und er fragt sich, wer seine Kumpels im Visier hatte und warum. Die hatten doch keinem was getan. Muss ein total Irrer sein, vielleicht irgendeiner, den sie nie richtig mitmachen lassen haben. Er muss sofort an Tinnef denken, die arme Wurst. Aber der wohnt ja jetzt zwanzig Kilometer weit weg, mit grottiger ÖPNV-Anbindung und ein Auto kann der sich bis heute nicht leisten. Er ist auch nicht durchtrieben genug, um so eine krasse Mordserie eiskalt durchzuziehen und sich nicht schon mindestens beim zweiten Mal erwischen zu lassen. Dafür wäre schon eher Finsterburger ein Kandidat, genau die richtige Mischung aus schlau und irre. Aber warum gerade jetzt? Scheiße, wenn er hier im Wohnzimmer abhängt, zieht ihn das nur runter, er muss irgendwas tun, Veronika liegt ihm schon seit Wochen in den Ohren, dass die Fugen zwischen den Terrassenplatten mal wieder ausgekratzt werden müssen. Lust hat er überhaupt keine dazu, lieber würde er etwas umgraben, aber das wäre total sinnlos und die sauberen Fugen wären ein paar Pluspunkte, die er an anderer Stelle in die Waagschale werfen könnte. Er zieht alte Schuhe an und geht ins Gartenhäuschen. Er kann sich nicht mehr erinnern, wo er den Fugenkratzer beim letzten Mal hingeräumt hat. Dass es für dieses Problem bis heute keine intelligente Lösung gibt, ist ihm ein Rätsel. Vielleicht müsste man die Ritzen mit Silikon verfüllen, überlegt er, dann könnten die Platten ruhig arbeiten, aber das Kraut käme nicht mehr durch. Er durchsucht den Werkzeugschrank, als er plötzlich einen Luftzug im Nacken spürt. So windig ist es doch gar nicht, dass die Tür einfach so aufweht. Er dreht sich um und sieht eine dunkle Gestalt im Türrahmen stehen.
„Der Nächste bitte.“, sagt sie. Es ist Anja. Er atmet erleichtert auf.
„Anja. Du hast mich vielleicht erschreckt. Was meinst du denn mit: der Nächste bitte?“
„Du bist der Nächste, der aus dem Zuchtprogramm genommen wird. Ich finde ein männlicher Spross von dir in dieser Welt ist mehr als genug, da sollte besser nichts hinterher kommen. Du hast ja bewiesen, dass du es nicht hinbekommst.“
„Was redest du da?“, fragt Holger atemlos. In seinem Kopf arbeiten alle Nervenzellen auf Hochtouren. Sollte Anja der Rasierklingenmörder sein? Aber warum?
„Ich sorge jetzt dafür, dass du keine Söhne mehr in die Welt setzt.“
„Veronika hat die Hormonspirale.“, entgegnet er, um Zeit zu gewinnen.
„Eben.“, erwidert Anja. „Du hast es dir ja schon immer gern leicht gemacht. Und du bist ja bekannt dafür, dass du dich auch gern mal nach anderen Frauen umsiehst. Es wäre also nicht ausgeschlossen, dass du dich noch einmal vermehrst.“
„Und was hast du jetzt vor? Willst du mir die Eier abschneiden?“
„Ach was.“, antwortet Anja. „Das ist mir viel zu umständlich. Ich werde viel radikaler vorgehen. Du kommst aus dieser Hütte nicht mehr lebend raus.“
„Aber warum willst du mich umbringen? Hast du die anderen drei etwa auch ermordet?“
„Die anderen vier, um genau zu sein. Deutschmade geht auch auf mein Konto. Das war kein Unfall. Ich hab' einfach seine Bremskabel gekappt, als er sich eines Abends in der schönen Aussicht die Kante gegeben hat. Er ist die Straße runtergeschossen, konnte nicht mehr anhalten und hat sich rücksichtsvollerweise direkt das Genick gebrochen.“
„Das glaube ich dir nicht.“
„War aber so.“
„Und warum?“
„Er war ein Schwein. Das weißt du doch.“
„Aber warum ich? Und warum Schnitzel, Kiesel und Olli?“
„Warum du? Ach Klappe, du warst doch immer der Schlimmste von allen. Schnitzel und Kiesel waren empathiefreie Trampel. Olli vielleicht nur ein Opfer seiner Depressionen. Aber du warst schon immer durchtrieben, eigensüchtig, faul, intrigant und nur auf deinen Vorteil bedacht. Außerdem warst du unangemessen rachsüchtig. Du warst die treibende Kraft damals, als ihr an Weiberfastnacht plötzlich so gar keinen Sinn mehr für traditionelle Späße hattet, die ihr doch sonst so in Ehren haltet. Wie ihr euch für ein bisschen Mehl im Gesicht direkt rächen musstet. Zu viert habt ihr mich festgehalten, an Hand- und Fußgelenken, das heißt, die Drecksarbeit hast du natürlich die anderen machen lassen, und dann hast du mir ein ganzes Kilo Mehl auf den Bauch, den Schritt und ins Gesicht gekippt und dann eine ganze Karaffe voll Wasser hinterher. Ich sah danach aus wie von fünfzig Schwänzen zugespermt und der Hass in euren Augen und der dreckige Ton in eurem triumphierenden Gelächter, wie stolz ihr wart, dass ihr mich besiegt hattet, fünf ausgewachsene Jungs, die voll im Saft standen, gegen eine Frau, die es gewagt hat, sich einen traditionellen Karnevalsscherz zu erlauben.“
„Aber das...“
„Halt die Fresse! Du hörst mir jetzt zu! Danach habt ihr euch dann gegen mich zusammengerottet und es genossen, wenn Deutschmade mich belästigte und ich vor Ekel und Angst fast gestorben wäre, das gefiel euch richtig gut, das hat euch amüsiert. Und als ich anfing, mich zu wehren, da habt ihr ihn als Opfer hingestellt und mich zur Täterin gemacht und mich gezwungen, ihn weiter zu ertragen. Erpresst habt ihr mich mit Leistungsverweigerung und der Drohung, mich bei Vorgesetzten anzuschwärzen und Gerüchte über mich in Umlauf zu bringen.“
„Aber da waren wir gerade mal achtzehn, neunzehn Jahre alt.“
„Eben. Ihr wart erwachsen. Das habt ihr doch immer so gern betont. Und ich war so naiv zu glauben, ihr könntet noch einmal zu Verstand kommen, dieses rüde Macho-Gebaren würde sich auswachsen, aber keine Spur davon. Ihr habt euch leicht zu beeinflussende Ehemäuschen gesucht, bei den schlauen Frauen hattet ihr eh keinen Stich. Und jetzt pflanzt ihr die nächste Generation Grauen in die Welt. Ich hätte schon viel früher aktiv werden müssen, aber ich hatte Wichtigeres zu erledigen. Deinen Sohn werde ich im Auge behalten und alles tun, was in meiner Macht steht, dass er nicht so eine Ratte wird wie sein Vater. Er wird nie erfahren, dass ich es war, die dich in die ewigen Jagdgründe geschickt hat. Und jetzt verabschiede dich von deinem Leben.“
Schnitt

Zwei Tage später:
„Vier Tote in neun Tagen.“ fasst Kerkenbrock zusammen. „Frau Klapp hat nicht den Hauch einer Ahnung, wer das getan haben könnte und aus welchen Gründen, ebensowenig wie Frau Schnitzler, Frau Kiesling oder Frau Gärtner. Die Vier sind Freunde seit ihrer Jugend, aber wir können kaum ihren weit verzweigten Freundeskreis schützen.“
„Aber befragen müssen wir alle, die uns genannt werden.“, entgegnet Keller. „Denn ich wette, das Motiv für den Mord liegt weit zurück in der Vergangenheit.“

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