Montag, 7. September 2026
Reisekrimi - Teil 2 - von Linz in die Wachau
In diesem Urlaub erschufen wir einen Neologismus: Linzen. Es beschreibt entspanntes Flanieren und Abhängen in der wunderschönen Stadt Linz.
Unser Appartement lag in einem Hotel mitten in der Fußgängerzone. Nicht so schön, aber gut ausgestattet. Was für ein Erlebnis, ausgehfein durch die Straßen zu schlendern - auch wenn ich wegen der ausgeprägten Anämie alle paar hundert Meter eine Sitzpause brauchte - einfach kaufen, was man braucht, ein Stilles Wasser im Straßencafé trinken und dabei vorbeiziehende Menschen beobachten.
Wir schafften es sogar in den sehr hübschen neuen Dom, dem größten Europas, voll mit alter und moderner Kunst, einem kühlen Ort in der Krypta und einem Sprühbrunnen auf dem Vorplatz. In Linz fiel mir dieselbe öffentlich Fürsorge auf wie in Passau: Abkühlung, Trinkwasser und reichlich bequeme, kostenlose Sitzgelegenheiten (auch zum Hinlegen geeignet) an hübschen Orten. Daran sollten sich ostwestfälische Städte ein Beispiel nehmen, mit ihrer ewigen Angst, dass die schönen Bänke dann von unansehnlichen Obdachlosen belegt werden. Mag sein, dass es in Österreich einen großen Anteil spießbürgerlicher Rassisten gibt (genauso wie in Deutschland) und die Wahlergebnisse legen dies nahe, aber im unmittelbaren Kontakt und ganz pragmatisch sind sie doch deutlich entspannter und menschenfreundlicher. Wie habe ich es geliebt, wenn das Pflegepersonal meinen Blutdruck gemessen hat und ein lässig "Paaasst" murmelte. Ich mag die österreichische Mundart, die im Gegensatz zur bayrischen irgendwie fein und gleichzeitig lässig klingt, während sich beim Bayrischen der Eindruck einschleicht, die Sprechenden seien parallel mit Aufstoßen, Husten oder Erbrechen beschäftigt. Man sehe mir das nach. Ich mag auch viele Bayern und finde die auch oft lässiger, zugänglicher, freundlicher und pragmatischer als uns verklemmte Saupreußen mit unserer verbreitet depressiven Struktur.

Nun aber zurück zur Stadt Linz. Mein Mann gab alles, damit ich trotz exorbitanter Anämie eine gute Zeit hatte und dafür würde ich ihn direkt noch einmal heiraten. Er hatte, während ich im Krankenhaus lag, die Stadt gründlich mit dem Fahrrad erkundet, kannte alle Einkaufsmöglichkeiten inklusive Bioladen und Vergnügungsoptionen für durch Kraftlosigkeit motorisch Eingeschränkte.
Was für eine hübsche Stadt! Pittoreske Architektur, internationales Publikum, alle möglichen Arten von Subkultur, spannende Kunstprojekte, angenehme Plätze zum Verweilen, vielfältige Gastronomie, süße Läden, aber auch alles, was man wirklich braucht in erreichbarer Nähe (inklusive Hofer), eine verkehrsberuhigte Innenstadt in der man eine bunte Mischung aus alten, jungen, armen, reichen, "normalen", "alternativen", fröhlichen und gebrochenen Menschen antrifft. Dabei ist es nicht voll, überall ist genug Platz, die Wege sind nicht weit, es gibt keine finsteren Orte (zumindest nicht in der Innenstadt), ein überaus beruhigendes und angenehmes Gewimmel und Gesumm, das ich gern beobachtet und belauscht habe.

Die totale Entschleunigung hatten wir dann am folgenden Tag. Eigentlich hätten wir das Rad genommen, aber ich war noch zu schwach. Zum Glück konnte man hier auch direkt mit dem Auto vorfahren und erschwinglich parken. Ein traumhafter Donaustrand mit feinem Sand und hübschem Kies, uralten Bäumen, einer Schaukel und einem Schwungseil von dem aus Kinder und Jugendliche sich in den Fluss plumpsen ließen. Im warmen Wasser bei gefühlt 22 Grad ließ es sich trotz leichter Strömung vortrefflich schwimmen (wobei ich noch etwas vorsichtig sein musste, um meine Kräfte zu schonen.) Der einzige Nachteil, man war danach ein bisschen schmuddelig, aber so etwas hat uns noch nie gestört.
Hier konnte man herumliegen, lesen, Menschen beobachten - ein kostenloses Naturbad mitten in der Stadt, das nicht ansatzweise überfüllt war. Was für ein Traum!
Am späten Nachmittag kam Regen auf - der auch hier dringend benötigt wurde. Wir verbrachten den Rest des Tages im Appartement mit Tee und Schonkost, Büchern und Fernsehen, während draußen die Waschanlage lief.

Am nächsten Morgen strahlte die Sonne aus allen Löchern. Ein paar Einkäufe und ein wehmütiger Abschied gepaart mit spannender Vorfreude auf unsere nächste Station.

Ursprünglich geplant waren ein paar Fahrrad-Etappen in der Wachau, stattdessen buchte mein Mann drei Übernachtungen in einem Appartement in Spitz.

Unterwegs kamen wir an Melk vorbei. Als alte Fans von Umberto Ecos "Der Name der Rose" waren wir selbstverständlich Neugierig auf den Heimatort des fiktiven Protagonisten Adson von Melk. Wir parkten am Fuß der Altstadt und schlichen in kleinen Etappen hoch. So ein hübsches Örtchen und wieder: ruhig, nette Läden und Cafés, nicht zu voll, massenhaft Sitzgelegenheiten und das bei strahlendem Sonnenschein und mindestens 25 Grad. Nach einer Pause schafften wir auch den Aufstieg zum Kloster, informierten uns über Öffnungszeiten und entschieden, in zwei bis drei Tagen zurückzukehren und uns Zeit für diese Sehenswürdigkeit zu nehmen.

Dann ging es weiter entlang der Donau oder zumindest durchs Tal mit grünen Wiesen alten Bäumen, Streuobstwiesen mit Marillen, Äpfeln, Birnen und Pflaumen und steilen Weinbergen. Hübsch, aber auch bedrängend. Ja, ich gestehe, ich bin kein Mensch der Berge. Ich liebe den weiten Blick, die Monotonie einer flachen grauen Nordsee bis zum Horizont, einzige Erhebung zwanzig Meter hohe Dünen und hier und da ein Leuchtturm. Aber man will ja auch einmal etwas Anderes sehen und erleben.

Dann erreichten wir Spitz. Oh dachte ich, kleines totes Dorf. Egal, ich will mich ja ausruhen.
Das Appartement im 2. Stock - eine echte Herausforderung für mich, doch ich war mittlerweile etwas kräftiger als in Linz - hatte eine phantastische Ausstattung, reichlich Platz und war sehr geschmackvoll eingerichtet. Der Vermieter Marillenbauer, Ferienwohnungsanbieter und Zillen-Kapitän. Man durfte sich auch in den Garten setzen und so kamen wir erst einmal an.

Was es mit dem "toten Dorf" Spitz auf sich hatte, werde ich in der nächsten Folge berichten.

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